Politik
Keishu Tanaka war nur kurz Justizminister im Kabinett Noda.
Keishu Tanaka war nur kurz Justizminister im Kabinett Noda.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 23. Oktober 2012

Mit der Yakuza im Bunde: Japans Justizminister tritt ab

Es ist ein handfester Skandal, der die japanische Politik derzeit bestimmt: Ausgerechnet Justizminister Tanaka muss nach nur drei Wochen sein Stuhl frei machen, weil er für einen Boss der Mafiaorganisation Yakuza eine Hochzeit organisiert hat. Auch wenn er, natürlich, aus "gesundheitlichen Gründen" aus dem Kabinett ausscheidet.

Der japanische Justizminister Keishu Tanaka hat nach nur drei Wochen Amtszeit seinen Rücktritt erklärt. Regierungschef Yoshihiko Noda werde in Kürze einen Nachfolger bestimmen, sagte ein Sprecher. Offiziell hieß es zur Begründung, Tanaka räume aus "gesundheitlichen Gründen" seinen Posten. Japanische Medien bezweifeln das jedoch und halten die bekannt gewordenen, früheren Kontakte des Politikers zu einem Gangster-Syndikat für den wahren Grund.

Der 74 Jahre alte Tanaka hatte zugegeben, vor rund 30 Jahren für ein ranghohes Mitglied der japanischen Yakuza eine Hochzeit arrangiert zu haben. Dies hatte ein japanisches Wochenmagazin aufgedeckt. Zuvor war Tanaka bereits wegen eines Spendenskandals in die Schusslinie der Kritik geraten.

Opposition weidet Skandal genüsslich aus

Die Opposition will den Fall Tanaka nutzen, den Druck auf Regierungschef Noda zu erhöhen, vorzeitige Neuwahlen auszurufen. Noda hatte erst kürzlich zum dritten Mal seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr sein Kabinett umgebildet. Damit spekuliert Noda - der sechste Ministerpräsident in sechs Jahren - darauf, seine Demokratische Partei DPJ vor den möglicherweise schon bald kommenden Wahlen zum mächtigen Unterhaus des Parlaments aus einem Umfragetief zu holen.

Die oppositionelle Liberaldemokratische Partei LDP unter dem nationalistischen Ex-Premier Shinzo Abe wittert die Chance, nach ihrer historischen Wahlniederlage 2009 an die Macht zurückzukehren. Die LDP hat bereits im Oberhaus die Mehrheit und versucht damit, Noda zu vorgezogenen Neuwahlen zu zwingen. Die Umfragewerte der Regierung Noda waren von einst mehr als 60 auf unter 30 Prozent gefallen.

Quelle: n-tv.de