Politik

EU-Studie erschreckt Jede dritte Frau ist Opfer von Gewalt

Gewalt und sexuelle Belästigung haben einer Studie zufolge in Europa stark zugenommen. Streit mit dem Partner, anzügliche Kommentare und unerlaubte Berührungen gehören zum Alltag europäischer Frauen. Die Zahl der Opfer sprengt jede vorstellbare Grenze.

Ein blaues Auge nach einem Streit mit dem Partner oder der immerzu aufdringliche Chef im Büro: Die Berichte von weiblichen Gewaltopfern sind sehr unterschiedlich. In der Europäischen Union gibt es erschreckend viele von ihnen, wie eine neue Studie zeigt. Jede dritte Frau in der EU hat demnach seit ihrer Jugend schon körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Das sind etwa 62 Millionen Frauen. Fünf Prozent davon sind vergewaltigt worden, wie die EU-Grundrechte-Agentur (FRA) berichtete.

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Die Studie belegt: Gewalt gegen die eigene Partnerin gehört in einer Beziehung zum Alltag.

(Foto: picture alliance / dpa)

Oft lauert die Gefahr für Frauen in  den eigenen vier Wänden: 22 Prozent aller Befragten gaben an, körperliche oder sexuelle Gewalt durch den eigenen Partner erfahren zu haben. Zu körperlicher Gewalt zählt die Studie etwa, wenn Frauen geschlagen, an den Haaren gezogen, geschubst oder mit harten Objekten attackiert werden. Sexuelle Gewalt bedeute Vergewaltigung oder versuchte Vergewaltigung.

Häufig werden der Studie zufolge diese Übergriffe in Beziehungen zum Alltag. Auch Schwangere würden dann nur selten verschont. Dagegen vorzugehen, wagen sich die wenigsten: Viele sagten, sie würden sich zu sehr schämen oder seien peinlich berührt und würden deshalb nicht zur Polizei gehen.

Frauen fürchten Konsequenzen

Vergewaltigungen durch Fremde, wobei dabei oftmals mehrere Männer beteiligt sind, würden schneller angezeigt. Sechs Prozent aller Befragten gaben außerdem an, dass es bereits zu einer versuchten Vergewaltigung kam. Gleichviele Frauen nahmen bereits an sexuellen Aktivitäten teil, weil sie Angst vor möglichen Konsequenzen hatten.

Die höchste Gewalt-Rate meldeten Frauen der Studie zufolge in den drei nordischen Ländern Dänemark (52 Prozent), Finnland (47 Prozent) und Schweden (46 Prozent). In Polen, Österreich und Kroatien gibt es mit jeweils rund 20 Prozent demnach vergleichsweise am wenigsten Gewalt. Deutschland liegt mit 35 Prozent etwas über dem EU-Schnitt (33 Prozent). Die Zahlen sollen laut Studienautoren aber nicht zu voreiligen Schlussfolgerungen führen. Angaben zu Übergriffen und die tatsächlich ausgeübte Gewalt stimmten nicht immer überein.

Kulturelle Unterschiede im Umgang mit Gewalt hätten einen Einfluss darauf, wie offen Frauen dieses Thema ansprechen. Bei stärkerer Gleichberechtigung der Geschlechter herrsche deutlich mehr Bewusstsein und es gebe mehr Anzeigen.

Von sexuellen Belästigungen seien noch mehr Frauen betroffen als von Gewalt, hieß es weiter. Vor allem gut ausgebildete Frauen in Spitzenpositionen sprachen davon. Dies könnte aber damit zusammenhängen, dass diese Gruppe Grenzüberschreitungen besser einschätzen könne und dies auch melde.

Hälfte aller Europäerinnen betroffen

Insgesamt sind laut der Studie schätzungsweise zwischen 83 und 102 Millionen Frauen von sexueller Belästigung betroffen. Das sind zwischen 45 und 55 Prozent aller Frauen in der EU ab 15 Jahren. Die breite Spanne ergibt sich daraus, weil es bei den Befragten unterschiedliche Ansichten gab, ob etwa Annäherungsversuche durch Männer, sexistische Witze oder ungewollte Nacktfotos per SMS bereits zu einer sexuellen Belästigung zählen.

"Frauen sind nicht sicher auf den Straßen, am Arbeitsplatz und schlussendlich auch nicht zu Hause, dem Platz, an dem sie Schutz finden sollten", sagte FRA-Direktor Morten Kjaerum. Insgesamt wurden 42.000 Frauen in den 28 EU-Ländern im Alter zwischen 18 und 74 Jahren befragt. Die Gespräche fanden 2012 persönlich statt. Vergleichbare Studie zu der Thematik gab es laut FRA in der EU bisher nicht, die Studie sei bisher die weltweit größte.

Auch Kinder sind betroffen

Viele dieser Attacken beginnen bereits in der Kindheit. 12 Prozent aller Befragten gaben an, bereits vor ihrem 15. Lebensjahr in irgendeiner Form sexuell belästigt worden zu sein. In Deutschland sind es 13 Prozent. Dazu zählt, wenn Erwachsene ihre Genitalien demonstrativ zur Schau stellten oder unsittliche Berührungen im Intimbereich vornahmen. Täter waren in diesem Fall fast ausschließlich Männer, wie die Frauen laut Studie berichteten. Solche Übergriffe führe bei einem Drittel der Frauen dazu, in späteren Beziehungen wieder zum Opfer zu werden.

Noch verbreiteter sei körperliche Züchtigung: Mehr als ein Viertel der Befragten hat bis zum Jugendalter physische Gewalt erlebt. In Deutschland ist die Zahl mit 37 Prozent noch deutlich höher. Erwachsene Frauen wie Männer schlagen in diesem Fall laut Studie fast gleich oft zu.

Quelle: ntv.de, Sandra Walder, dpa

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