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OECD-Studie zu Rentenniveau Jeder zehnte Haushalt von Armut bedroht

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Deutsche Rentner haben im Schnitt weniger in der Tasche als französische oder niederländische Rentner.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die gesetzliche Rente soll vor Armut im Alter schützen - das tut sie in vielen Fällen allerdings nicht. Der Vergleich mit anderen EU-Staaten zeigt: Deutsche Rentner leben öfter an der Armutsgrenze als Franzosen oder Niederländer.

Rentner in Deutschland leben mit einem deutlich höheren Armutsrisiko als Rentner in anderen EU-Ländern. Fast jeder zehnte deutsche Rentnerhaushalt verfügt über weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens. Das geht aus einer neuen Erhebung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, die jetzt in Berlin veröffentlicht wurde.

Zwar liegt das Armutsrisiko der Älteren hierzulande im Vergleich zu allen untersuchten EU-Mitgliedstaaten immer noch unter dem Durchschnitt, dennoch stellt die OECD dem deutschen Rentensystem nicht nur gute Noten aus. Vor allem Menschen mit einer verkürzten Erwerbsbiografie müssen laut Studie in Deutschland mit deutlichen Einbußen bei der Rente rechnen. Das betrifft etwa Frauen, die ihre Karriere für die Kindererziehung unterbrechen.

Derzeit liegt das Armutsrisiko der Rentnerhaushalte in Deutschland bei 9,4 Prozent - und damit deutlich unter dem EU-Schnitt von 12,6 Prozent. Doch der Vergleich mit den Quoten anderer führender EU-Staaten offenbart klare Schwächen. So sind in den Niederlanden lediglich 2 Prozent der Rentnerhaushalte armutsgefährdet, in Frankreich 3,8 und in Dänemark 4,6 Prozent. Nichtsdestotrotz habe Deutschland versucht, das System an einigen Stellen zu verbessern – etwa durch die abschlagfreie Rente mit 63 oder die Mütterrente.

Ältere bleiben länger im Job

Gegenstand der meisten Reformen, die in den EU-Mitgliedsstaaten angestrengt wurden, sei laut Studie die Anhebung des Renteneintrittsalters. Die OECD schätzt, dass der Durchschnitt von derzeit 64 Jahren bis auf 65,5 Jahre steigen wird. Zwar liegt das tatsächliche Rentenalter in Deutschland mit 62,7 Jahren aktuell unter dem OECD-Schnitt, parallel sei aber auch der Anteil der Älteren im Job nirgends so stark angestiegen wie hierzulande.

Waren es 2004 noch 42 Prozent der 55- bis 64-Jährigen, die erwerbstätig waren, stieg ihr Anteil bis zum vergangenen Jahr um ein Drittel auf 66 Prozent. Damit liegt Deutschland deutlich über dem OECD-Durchschnitt. Dass ältere Menschen immer länger im Job bleiben, hilft auch den Rentenfinanzen. Laut Studie werden die Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung bis 2060 von rund 10 auf knapp 13 Prozent des Bruttosozialprodukts steigen - ein recht moderater Anstieg angesichts der stark alternden Gesellschaft.

Quelle: ntv.de, jug/dpa