Politik

Verlockender Osten Jobs wandern ab

EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen hält die Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Osteuropa für unausweichlich. "Dass Unternehmen in Billiglohnländern produzieren, um sich im Wettbewerb zu behaupten, ist ein Trend der Globalisierung", sagte Verheugen der "Bild am Sonntag". Dies lasse sich nicht mehr aufhalten, dafür sei es zu spät.

Der EU-Kommissar verwies darauf, dass ein Facharbeiter in Lettland nur 170 Euro im Monat verdiene. Niemand könne wollen, dass sich die deutschen Löhne den lettischen annähern. Dennoch werde sich kein Unternehmer das Angebot aus Lettland entgehen lassen.

Verheugen nahm die Wirtschaft gegen den Vorwurf des fehlenden Patriotismus in Schutz. "Solche Unternehmer sollte man nicht pauschal beurteilen. Firmen tun eben das, was der Markt verlangt", erklärte er. "Unpatriotisch ist, den Standort Deutschland runterzureden, anstatt das Seine zu tun, um den Standort Deutschland zu stärken."

Alte Industrieländer wie Deutschland müssten große Anstrengungen unternehmen, um abwandernde Billigproduktionen durch Qualitätsproduktionen, etwa in der Hochtechnologie, zu ersetzen.

Deutsche skeptisch

Gut einen Monat vor der EU-Osterweiterung sehen die Deutschen dem Beitritt der zehn neuen Länder mit viel Skepsis entgegen. In einer "Polis"-Umfrage rechneten 81 Prozent der Befragen damit, dass immer mehr Firmen ihren Standort von Deutschland in die neuen EU-Staaten verlegen. 71 Prozent erwarten, dass hier zu Lande die Arbeitslosigkeit steigt und die Löhne sinken, weil mehr billige Arbeitskräfte nach Deutschland kommen.

Positiv an der Erweiterung würden vor allem die kulturelle Bereicherung (66 Prozent) und die neuen Märkte für die deutsche Wirtschaft (64 Prozent) gesehen.

Quelle: ntv.de