Politik

Nazi-Tote und Bombenopfer Kanzler gegen Aufrechnung

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat vor den Gedenkfeiern zum Bombenangriff auf Dresden die Deutschen aufgerufen, die Opfer des Krieges und der Nazi-Herrschaft nicht gegeneinander aufzurechnen. "Verantwortung vor der Geschichte bedeutet, Untat und Leid nicht gegeneinander aufzuwiegen", sagte er der Zeitung "Welt am Sonntag" laut Vorabbericht.

Beim Gedenken beziehe er immer ein, wie viel Leid der von Deutschen verursachte Krieg über andere gebracht habe. "Gleichzeitig haben wir keinen Grund, nicht auch über die eigenen Toten zu trauern", sagte der Kanzler. Entscheidend sei, dass die Verantwortlichkeiten nicht verwischt würden. Er werde mit allen Mitteln allen Versuchen, die Geschichte umzudeuten, entgegentreten, sagte er in Anspielung auf Äußerungen sächsischer NPD-Abgeordneter und auf die von rechtsextremen Parteien angekündigten Kundgebungen in Dresden. "Wir werden nicht zulassen, dass Ursache und Wirkung vertauscht werden."

Rechtsextreme Parteien haben zu einem so genannten Trauermarsch am 60. Jahrestag der Bombardierung Dresdens durch die britische und amerikanische Luftwaffe am Sonntag aufgerufen. Nach Angaben der Polizei werden dazu bis zu 7.000 Teilnehmer aus der rechtsextremen Szene aus ganz Deutschland erwartet. NPD-Abgeordnete hatten in einer Debatte des sächsischen Landtags von einem "Bomben-Holocaust" gesprochen und damit die Zerstörung deutscher Städte gegen Ende des von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkriegs mit dem millionenfachen Mord an den europäischen Juden gleichgesetzt.

Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) und zahlreiche Gruppen haben dazu aufgerufen, am Sonntag mit einer Kerzen-Aktion vor der Semperoper ein Zeichen gegen den Missbrauch des Gedenkens durch Rechtsextremisten und für Versöhnung mit den früheren Kriegsgegnern zu setzen.

Britischer Botschafter: Dresden als Symbol für Versöhnung

Der britische Botschafter in Deutschland, Sir Peter Torry, nannte Dresden ein Symbol für die Versöhnung Deutschlands und Großbritanniens. In einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag" schrieb Torry, Dresden und das von der deutschen Luftwaffe zerbombte englische Coventry seien Symbole für die Schrecken des Krieges geworden. "Aber sie stehen auch für die Versöhnung unserer beiden Länder nach 1945", schrieb der Botschafter. "Es ist richtig, dass wir heute um die Toten in Dresden trauern. Wir sollten auch der vielen Millionen gedenken, die im Kampf gegen den Faschismus ums Leben kamen, auch der Gefallenen der Royal Air Force."

Zu den offiziellen Gedenkveranstaltungen werden nach Angaben der Stadtverwaltung auch Torry und die Botschafter Frankreichs und der USA erwartet. Als eines der Zeichen der Versöhnung gilt die Übergabe des Nagelkreuzes von Coventry in der 1945 zerstörten und mittlerweile wieder aufgebauten Frauenkirche. Das Kreuz besteht aus Nägeln der von den Deutschen zerstörten Kirche der britischen Stadt Coventry.

Quelle: ntv.de