Politik

Patente treiben die Preise hoch Kassen zahlen Rekordsumme für Arzneien

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Ein patentiertes Medikament kostet im Schnitt 13 Mal mehr als ein Generika.

(Foto: picture alliance / dpa)

Deutschland bleibt ein "Hochpreisland" für Medikamente. Im neuen Arzneimittel-Report der Krankenkassen belaufen sich die Kosten auf fast 40 Milliarden Euro. Kritiker machen dafür eine schwache Politik verantwortlich - zu Lasten der Patienten.

Die Ausgaben für Arzneimittel sind ungeachtet aller Preisbremsen erneut rasant gestiegen. Im vergangenen Jahr zahlten die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) einen Rekordwert von 36,9 Milliarden Euro. Damit sind die Kosten in nur zwei Jahren um 4,8 Milliarden Euro gestiegen, wie aus dem neuen Arzneiverordnungsreport im Auftrag des AOK-Bundesverbands hervorgeht. Diese Entwicklung sei zum größten Teil durch den patentgeschützten Arzneimittelmarkt begründet.

Die Ausgaben für patentgeschützte Arzneien beliefen sich 2015 demnach auf insgesamt 14,9 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr waren dies Mehrkosten von 1,3 Milliarden Euro.

Die Herausgeber des jährlichen Reports nennen auch wirksame Kostenbremsen wie zum Beispiel die frühe Nutzenbewertung, mit deren Hilfe der Nutzen eines Medikaments bestimmt wird. Das habe 2015 zu Einsparungen von rund 925 Millionen Euro geführt. "Doch diese Summe hätte noch deutlich höher ausfallen können, wenn das Amnog nicht an vielen Stellen aufgeweicht worden wäre." Amnog steht für das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarkts von 2011.

13 Mal höhere Kosten

Konkret kritisiert der Herausgeber des Reports, Ulrich Schwabe, zum Beispiel die Abschaffung der Bestandsmarktbewertung. Diese hatte Arzneimittel bewertet, die bereits seit längerem auf dem Markt sind. Deutschland sei bei Arzneimitteln nach wie vor ein "Hochpreisland", erklärt Schwabe. "Die Kosten für diese Politik werden auf die deutschen Patienten abgewälzt."

So lag der durchschnittliche Apothekenverkaufspreis eines patentierten Arzneimittels 2015 bei rund 369 Euro. Der Preis war damit im Schnitt fast 13 Mal höher als bei generischen Arzneimitteln, die rund 29 Euro kosteten. Generika sind Nachahmerpräparate von Medikamenten, die bereits auf dem Markt sind und dieselben Wirkstoffe enthalten.

Einsparpotenzial: 3,2 Milliarden Euro

Der deutsche Patentmarkt erweise sich auch im europäischen Vergleich als "besonders teuer", erklärte Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Er verwies auf Studien, die das theoretische Einsparpotenzial auf 3,2 Milliarden Euro beziffern.

Vor allem bei Krebsmedikamenten machen Experten einen stetigen Anstieg der Kosten aus. "Bei der Entwicklung neuer Krebstherapien steht häufig das ökonomische Interesse der pharmazeutischen Unternehmer im Vordergrund", erklärte Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Klinische Studien seien eher auf eine rasche Zulassung als auf einen überzeugenden therapeutischen Fortschritt ausgerichtet.

Auch der Vorstandschef des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, warf der Regierung Handlungsunfähigkeit vor. "Für die Hochpreisentwicklung bei den patentgeschützten Arzneimitteln gibt es derzeit kein adäquates Gegenmittel der Politik."

Quelle: ntv.de, chr/dpa/AFP