Politik

GAU in Japan verlief glimpflich Kaum Kranke durch Fukushima

RTR2YKNA.jpg

Auch die Arbeiter, die auf dem radioaktiv verseuchten Gelände arbeiten müssen, zeigen bislang keine größeren Gesundheitsschäden.

(Foto: REUTERS)

Die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima vor über einem Jahr hat ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Doch auf die Gesundheit der Bewohner in der Region hatte der Unfall kaum Auswirkungen. Bislang wurden keine Todesfälle registriert. Und auch Langzeitfolgen scheinen gering.

Die radioaktive Strahlung nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima hat bisher weder Todesfälle noch Krankheiten verursacht. Nach einer Untersuchung von Wissenschaftlern der Vereinten Nationen wird auch die Krebsquote in der japanischen Bevölkerung kaum steigen. Die Zahl zusätzlicher Erkrankungen werde "gering und wissenschaftlich nicht erkennbar sein", sagte der Vorsitzende des wissenschaftlichen Komitees der Vereinten Nationen für die Folgen von Strahlung (UNSCEAR), Wolfgang Weiss.

Viel schlimmer sind laut dem aktuellen Zwischenbericht der UNSCEAR gesellschaftliche Auswirkungen wie Depressionen und Ausgrenzungen von Menschen aus dem Gebiet um Fukushima. Der vollständige Bericht des UNSCEAR-Teams mit 72 Wissenschaftlern aus 18 Staaten wird im Herbst 2013 vorgelegt werden. Weiss betonte: "Die Langzeitfolgen beschäftigen uns die nächsten zwanzig Jahre."

Die Bevölkerung sei durch die Reaktorkatastrophe deutlich weniger Radioaktivität ausgesetzt gewesen als 25 Jahre zuvor in Tschernobyl, sagte Weiss. Die Gegend um Fukushima sei im März 2011 vergleichsweise schnell evakuiert worden. Die Strahlenbelastung im gesamten Japan ist nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gering. Sie liegt meist unterhalb zulässiger Grenzwerte. Bei den japanischen Arbeitern, die direkt nach dem Super-Gau eingesetzt wurden, seien zum Teil hohe Strahlenwerte gemessen worden, weil sie schlecht geschützt waren, erklärte Weiss. 167 Arbeiter hätten mehr als 100 Millisievert (mSv) abbekommen, 6 Arbeiter mehr als 250 mSv und 2 von ihnen 680 mSv. Zehn Millisievert entsprechen etwa der Strahlung bei einem Computertomogramm (CT). 50 mSV in einem Jahr gelten als oberster zulässiger Grenzwert für Menschen, die mit Radioaktivität zu tun haben. Die Dosis darf in fünf Jahren 100 mSv nicht überschreiten.

Sechs Arbeiter starben seit der Katastrophe

Unmittelbare Konsequenzen wie Krankheiten bei den Arbeitern oder Todesfälle gab es nicht, sagte Weiss. "Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass es die in absehbarer Zeit geben wird." Sechs Arbeiter seien seit dem Unglück gestorben, keine der Todesursachen habe etwas mit Strahlung zu tun. Ein Mann starb an Leukämie, aber die Krankheit sei so kurz nach dem Reaktorunglück aufgetreten, dass es keinen Zusammenhang geben könne, so Weiss.

Die gesellschaftlichen Auswirkungen seien hingegen sehr problematisch. "Nach solchen Katastrophen werden mehr Menschen depressiv oder begehen Selbstmord. Das sehen wir auch in Japan", sagte Weiss. "Junge Frauen aus der Gegend glauben, sie können keine Kinder mehr bekommen." Außerdem werde der Reis aus Fukushima nicht gegessen. Viele Menschen seien deswegen in ihrer Existenz gefährdet.

In den ersten Tagen nach der Atomkatastrophe von Fukushima ist nach Angaben des Betreibers mehr als doppelt so viel Strahlung ausgetreten wie zunächst angenommen. Bei der Kernschmelze in drei der sechs Reaktoren wurden im März 2011 etwa 900.000 Terabecquerel freigesetzt, teilte der Versorger Tokyo Electric Power (Tepco) am Donnerstag mit. Das sind zweieinhalb Mal so viel wie von der japanischen Atomsicherheit im April vergangenen Jahres geschätzt. Mehr als 99 Prozent der Radioaktivität sei in den ersten drei Wochen ausgetreten. Das entspreche einem Sechstel der bei der Tschernobyl-Katastrophe 1986 freigesetzten Menge.

Quelle: n-tv.de, dpa