Politik

Lohneinbußen seit dem Jahr 2000 Kleine Geldbeutel arg geschröpft

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Geringverdiener haben seit der Jahrtausendwende noch weniger in der Tasche.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Vor allem an den unteren Einkommensgruppen zieht der Wirtschaftsaufschwung vorbei. Während die Geringverdiener seit der Jahrtausendwende einen realen Lohnverlust von bis zu 22 Prozent verkraften müssen, legen die höchsten Einkommensgruppen leicht zu. Der Wirtschaftsweise Bofinger geht mit der Bundesregierung hart ins Gericht.

Trotz Wirtschaftswachstums haben Geringverdiener immer weniger Geld in der Tasche. Das ergibt eine Auswertung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Demnach mussten Bezieher der unteren Einkommensgruppen seit der Jahrtausendwende Gehaltseinbußen von 16 bis 22 Prozent hinnehmen. Beschäftigte in der höchsten verbuchten hingegen ein leichtes Plus von knapp einem Prozent.

Die Wirtschaft sei seit der Jahrtausendwende ordentlich gewachsen, sagte DIW-Experte Markus Grabka der "Berliner Zeitung". Die Gewinne und Vermögenseinkommen seien "insgesamt sogar kräftig gestiegen". Doch bei den meisten Erwerbstätigen sei davon nichts angekommen. Die Politik hatte die Ausweitung des Niedriglohnsektors mit den Hartz-Reformen massiv unterstützt.

Das DIW wertete dem Bericht zufolge neue Umfrageergebnisse des sozioökonomischen Panels aus. Demnach sanken zwischen 2000 und 2010 die realen Nettoeinkommen von Geringverdienern besonders stark. Im Durchschnitt aller Beschäftigten gingen die Nettogehälter preisbereinigt um 2,5 Prozent zurück.

Wirtschaftsweiser fordert Rückkehr zur Parität

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Peter Bofinger: Rückkehr zur Parität kostet nichts.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger warf der Bundesregierung Untätigkeit vor. "Es gibt Möglichkeiten, die Löhne zu stabilisieren. Doch die Politik interessiert sich nicht dafür", sagte er der "Berliner Zeitung". Bofinger plädierte dafür, Arbeitnehmer bei den Sozialabgaben zu entlasten. So sollten die Arbeitgeber künftig wieder die Hälfte der Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung übernehmen. "Eine solche Rückkehr zur Parität würde den Staat keinen Cent kosten", betonte der Professor an der Universität Würzburg.

Das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit sprach sich für einen Mindestlohn aus. Im Niedriglohnsektor gebe es inzwischen Auswüchse, "die man beschäftigungspolitisch nicht rechtfertigen kann", erklärte der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Joachim Möller.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP