Politik

Frauen stärker betroffen als Männer Knapp jeder Fünfte in Deutschland ist arm

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Seit 2005 wird die EU-weite Erhebung der Lebensbedingungen durchgeführt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine warme Mahlzeit am Tag oder ein Fernseher - für viele Menschen in Deutschland kann dies schon Luxus sein. Eine neue Statistik zeigt, dass auch diejenigen, die Geld verdienen, arm sein können. Die Folge: soziale Ausgrenzung.

Kein Geld für Telefon, Heizung oder den Kinobesuch: Fast jeder fünfte Einwohner in Deutschland war 2012 von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Etwa 16 Millionen Menschen oder 19,6 Prozent der Bevölkerung zählten dazu - 2011 waren es mit 19,9 Prozent noch etwas mehr. Das ist das Ergebnis der Untersuchung "Leben in Europa 2012", die das Statistische Bundesamt (Destatis) vorstellte. Insgesamt lag Deutschland damit aber nach wie vor unter dem EU-Durchschnitt. In der gesamten Europäischen Union galt 2012 fast ein Viertel (24,8 Prozent) der Menschen als arm oder sozial ausgegrenzt.

In Deutschland waren Frauen mit 21,1 Prozent häufiger betroffen als Männer (18,1). Unterschiede gibt es auch zwischen den Altersgruppen. So sind Menschen zwischen 18 und 65 Jahren mit 21,2 Prozent häufiger von sozialen Problemen betroffen als die über 65-Jährigen, bei denen der Anteil bei 15,8 Prozent lag. Bei den unter 18-Jährigen waren 18,4 Prozent betroffen.

Drei Kriterien entscheiden

"Armut ist mehr als nur Einkommensarmut", betonte Destatis-Expertin Silvia Deckl. Auch wer ein Gehalt verdiene, das über der Schwelle liege, könne von sozialer Teilhabe ausgeschlossen sein. Deswegen errechnen die Statistiker die Quote mit einem bestimmten Verfahren aus drei Kriterien: Sie schauen nach der Armutsgefährdungsquote, nach materiellen Einschränkungen und dem Grad der Erwerbstätigkeit. "Als arm oder sozial ausgegrenzt gilt eine Person dann, wenn eines oder mehr der drei (...) Kriterien auf sie zutreffen."

Von Armut bedroht waren demnach zuletzt 16,1 Prozent oder rund 13 Millionen Menschen. Die betroffenen Singles haben weniger als 980 Euro im Monat zur Verfügung, Familien mit zwei Kindern weniger als 2058 Euro.

Für 4,9 Prozent gehörten "erhebliche materielle Entbehrungen" zum Alltag. Das bedeutet: Die Menschen haben beispielsweise Probleme, ihre Miete oder die Heizkosten zu zahlen. Oder bei ihnen kommt nicht alle zwei Tage eine volle Mahlzeit auf den Tisch, auch ein Telefon, Fernseher oder eine Reise sind nicht drin.

Schließlich ermittelten die Statistiker den Anteil der Bevölkerung, die in Haushalten mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung leben - es waren 9,8 Prozent. Für die Untersuchung erfassten die Statistiker rund 13.100 Haushalte mit 27.900 Personen.

Quelle: ntv.de, sno/dpa/AFP

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