Politik

Amtsinhaber Duda knapp vorn Kopf-an-Kopf-Rennen bei Präsidentenwahl in Polen

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Jubel bei Dudas Anhängern über den hauchdünnen Vorsprung.

(Foto: via REUTERS)

Die polnische Präsidentenwahl ist eine Richtungsentscheidung zwischen dem nationalkonservativen Regierungslager mit Amtsinhaber Duda und dem liberalen Herausforderer Trzaskowski. Nach der Stichwahl bleibt zunächst offen, wie sich die Mehrheit der Polen entschieden hat. Klarheit könnte es erst Montag geben.

Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Polen zeichnet sich nach ersten Prognosen ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Auf den nationalkonservativen Amtsinhaber Andrzej Duda entfielen demnach 50,4 Prozent der Stimmen, sein liberaler Herausforderer Rafal Trzaskowski erhielt 49,6 Prozent. Die Prognosen beruhen auf Nachwahlbefragungen in rund 500 Wahlbüros. Nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts Ipsos haben sie eine Fehlertoleranz von zwei Prozentpunkten.

Das offizielle Endergebnis wird nach Angaben der Wahlkommission frühestens am Montagabend vorliegen. Zu einem späteren Zeitpunkt werden die Exit Polls noch mit Ergebnissen von Teilauszählungen aus 500 Wahllokalen ergänzt. Hochrechnungen wie in Deutschland sind in Polen nicht üblich.

Die Stichwahl um das Präsidentenamt gilt auch als eine Abstimmung über die Politik der nationalkonservativen Regierungspartei PiS. Sie regiert das Land seit 2015 mit absoluter Mehrheit, auch Duda stammt aus ihren Reihen. Im Wahlkampf präsentierte sich der 48-jährige Jurist als Garant für die vielen Sozialleistungen, die die PiS in den vergangenen Jahren eingeführt hat. Zuletzt setzte er auch auf anti-deutsche Töne und kritisierte die aus seiner Sicht einseitige Berichterstattung deutscher Medien über die Präsidentenwahl. Nach Einschätzung von Beobachtern zielte Duda damit auf Wähler vom rechten Rand.

Dudas Herausforderer, der Warschauer Oberbürgermeister Trzaskowski, versprach als Kandidat der liberalkonservativen "Bürgerkoalition" (KO) einen Politikwechsel. Er warb damit, Polens angeschlagenes Verhältnis zur EU wieder ins Lot zu bringen. Die umstrittene Justizreform der PiS will er stoppen.

Die Wahlbeteiligung war trotz der Corona-Pandemie hoch. Bis zum Sonntagnachmittag 17 Uhr gaben 52,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, wie die Wahlkommission in Warschau mitteilte. Das waren fast zwölf Prozentpunkte mehr als zum gleichen Zeitpunkt bei der zweiten Runde der Präsidentenwahl 2015. Duda dankte am Wahlabend in Pultusk allen Landsleuten für die starke Teilnahme an der Abstimmung. Er gratulierte auch seinem Rivalen Trzaskowski zu dessen Ergebnis. Trzaskowski sagte in Warschau: "Wir haben gesagt, dass es eng wird, und es ist eng. Ich bin aber überzeugt, dass wir siegen werden." Nun müssten nur noch die Stimmen genau ausgezählt werden.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa/AFP