Politik

Zu teure Arzneimittel Krankenkassen droht Minus

Der gesetzlichen Krankenversicherung droht im zweiten Halbjahr ein Minus von 200 Millionen Euro. Dies gehe aus neuen Zahlen des Schätzerkreises hervor, berichtete der Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". Dagegen rechnet Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) auch in den letzten sechs Monaten des Jahres mit einem Überschuss. Ihr Sprecher Klaus Vater zweifelte die Zahlen des Expertengremiums an. Im Schätzerkreis sitzen Vertreter von Krankenkassen, des Bundesgesundheitsministeriums und des Bundesversicherungsamtes.

Die Experten haben ermittelt, dass die Ausgaben der Krankenkassen in diesem Jahr um 3,8 Prozent ansteigen werden - vor allem wegen der hohen Ausgaben für Arzneimittel und Krankenhaus-Behandlungen. Bei den Einnahmen sei wegen der stagnierenden Löhne keine Entlastung zu erwarten. Unter dem Strich werde der Überschuss von einer Milliarde Euro aus dem ersten Halbjahr bis Ende 2005 auf nur noch 800 Millionen Euro abschmelzen.

Dagegen rechnet Ministerin Schmidt noch mit einem Plus von zwei Milliarden Euro am Ende des Jahres. 2006 könnte die Lage der Krankenkassen noch prekärer werden. Ohne Beitragserhöhungen werde es dann ein Minus von sogar mehr als zwei Milliarden Euro geben, habe es in Kassenkreisen geheißen. Grund: Die Leistungsausgaben könnten noch einmal um 2,6 Prozent ansteigen.

Ministeriumssprecher Vater sagte dem Blatt: "Die Schätzer haben einige Positionen übersehen." So brächten die neuen Festbeträge für Arzneimittel den Kassen im nächsten Jahr ein Sparpotenzial von 750 Millionen Euro. Weitere 300 Millionen Euro könnten sie sparen, indem sie auf die Erkenntnisse des neuen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, das den Nutzen von Medikamenten bewertet, zurückgreifen.

Quelle: ntv.de