Politik

Welche Schweinegrippe? Länder bleiben auf Impfstoff sitzen

Als die Schweinegrippe im vergangenen Juli um den Erdball zog, befürchten Experten eine Ausbreitung der neuen Influenza mit hohen Fallzahlen. Daraufhin kaufen die Länder jede Menge Impfstoff, den dann aber keiner haben will. Nun müssen sie ihn auch noch teuer entsorgen, der Bund winkt ab.

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Viele sehen in der Schweinegrippe inzwischen eine Marketingaktion der Pharmakonzerne.

Die meisten Menschen in Deutschland hat die Schweinegrippe kalt gelassen. Sie ließen sich nicht impfen. Die Bundesländer bunkern deswegen noch Millionen Dosen des Impfstoffs Pandemrix - je nach Land im Wert zwischen 4,5 und 54 Millionen Euro. Auf den Kosten bleiben sie sitzen. Der Bund will sich nach einem Bericht des "Spiegel" nicht daran beteiligen.

Die Landesgesundheitsminister wollen deshalb die Verantwortung für die Pandemiebekämpfung abgeben. Künftig solle der Bund "zuständig sein für die Sicherung der Versorgung mit Arzneimitteln einschließlich Impfstoffen", heißt es danach in einem internen Forderungspapier der Gesundheitsministerkonferenz.

Kritik übten die Länder auch an der fachlichen Beratung durch das für die Zulassung von Impfstoffen zuständige Paul-Ehrlich- Institut in Langen sowie das Berliner Robert Koch-Institut. Beide Bundesinstitute hätten die Ausbreitung der neuen Influenza mit großen Fallzahlen als "sehr wahrscheinlich" eingestuft.

Unnötige Vorräte

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Der Minister ging mit gutem Beispiel voran, aber die Deutschen folgten ihm nicht.

(Foto: dpa)

Die höchsten Kosten hat das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 54 Millionen Euro. Baden-Württemberg rechnet mit einem Schaden von voraussichtlich 35 Millionen Euro. Dort werden 3,7 der bestellten 4,2 Millionen Impfdosen nach Ministeriumsangaben nicht verbraucht. In Niedersachsen lagert noch Impfstoff im Wert von rund 22 Millionen. Auch Hessen hat noch große Vorräte mit einem Wert von rund 17,5 Millionen Euro.

In Bayern wurden 970 000 der 5,1 Millionen bestellten Impfdosen verschrieben. Die Gesamtkosten werden erst im Herbst feststehen. Das Gesundheitsministerium von Markus Söder (CSU) rechnet mit einem Betrag im zweistelligen Millionenbereich.

In Brandenburg summieren sich die Kosten auf rund 7,7 Millionen Euro. Thüringen sitzt auf 840 000 Dosen Impfstoff im Wert von sieben Millionen Euro.

In Sachsen-Anhalt summieren sich die Kosten auf rund sechs Millionen Euro. Schleswig-Holstein bleibt nach Angaben des Gesundheitsministeriums wahrscheinlich auf Impfstoff im Wert von acht Millionen, Hamburg auf Kosten von bis zu 4,5 Millionen Euro sitzen.

Teure Entsorgung

Unklar ist zum Teil noch, wie der Impfstoff weiterverwendet werden kann. In Sachsen, wo noch rund 1,4 Millionen Dosen im Wert von rund 11 Millionen Euro lagern, werden größere Mengen bei Großhändlern zentral über ein Unternehmen entsorgt, kleine Mengen bei Ärzten oder Gesundheitsämtern wandern nach Ablauf der Haltbarkeit in den Hausmüll. Berlin hat noch 122 000 Dosen als Reserve behalten und die übrigen Vorräte in ein bundesweites Zentrallager gebracht.

Insgesamt hatten die Bundesländer im vergangenen Jahr zunächst 50 Millionen Impfdosen eingekauft und die Menge später auf 34 Millionen Dosen im Wert von 283 Millionen Euro heruntergehandelt. Als die Schweinegrippe im vergangenen Juli um den Globus gezogen war, hatten sich zunächst 50 Prozent der Bundesbürger impfen lassen wollen.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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