Politik

Stichwort "Lebensgestaltung, Ethik, Religionskunde"

Das umstrittene brandenburgische Pflichtfach "Lebensgestaltung, Ethik, Religionskunde" (LER) geht auf Bestrebungen der DDR-Bürgerrechtsbewegung zurück. Diese wollte in den Schulen ein Fach einrichten, das jungen Leuten Hilfestellung bei der Lebensgestaltung geben sollte.

Die jahrzehntelange Ausgrenzung von Fragen der individuellen Lebensbewältigung, von Angeboten pluralistischer Ethik und der Religion aus den Schulen sollte überwunden werden, hieß es damals in der Begründung.

Die erste brandenburgische Bildungsministerin Marianne Birthler, heute Leiterin der Gauck-Behörde in Berlin, brachte das Fach ab 1991 auf den Weg. Seit 1996/97 wird LER nach einem dreijährigem Modellversuch als staatliches Pflichtfach in den Schulen der Sekundarstufe I (Klassen 7 bis 10) unterrichtet. Es hat den Anspruch, wertorientierten Unterricht ohne Bekenntnis zu einer Religion zu vermitteln.

Derzeit erhalten rund 75.000 Schüler (55 Prozent) der 7. bis 10. Klassen an 80 Prozent der brandenburgischen Schulen LER-Unterricht. Den Kirchen wurde zwar eingeräumt, in eigener Regie Unterricht an Brandenburgs Schulen zu erteilen. Religionsunterricht ist aber kein ordentliches Unterrichtsfach, die Teilnahme daran ist freiwillig.

Die Kirchen werfen dem Land Brandenburg vor, sich mit LER die Definitionsmacht darüber anzumaßen, was Lehre und Bekenntnis der jeweiligen Religionsgemeinschaft ist. Sie fordern als Kompromiss eine so genannte Fächergruppe, in der die Schüler unter anderem zwischen Religionsunterricht und LER frei wählen können.

Quelle: ntv.de