Politik

"Ein positives Treffen" Linke hatte Kontakt zur FARC

Abgesandte der kolumbianischen Guerilla FARC verfügen nach einem Bericht des "Spiegel" über gute Kontakte zur linken Szene in Deutschland. Das gehe aus E-Mails auf den Laptops des getöteten Vize-Chef der FARC, Ral Reyes, hervor, die von der kolumbianischen Staatsanwaltschaft sichergestellt worden seien. Reyes kam im März bei einem Luftangriff auf sein Lager in Ecuador um.

Im Januar 2005 hatte der Chef-Guerillero dem Bericht zufolge seinen Sohn Ariel Robespierre Devia (Deckname "Roberto") in geheimer Mission nach Berlin geschickt. "Roberto" sollte die Propagandaarbeit der FARC in Deutschland ankurbeln und die Beziehungen zu den Linken wiederbeleben, die weitgehend ruhten - vor allem wegen "der neuen Anti-Terror-Gesetze", wie "Roberto" in seinem Reisebericht an Reyes schrieb. Er traf sich laut "Spiegel" mit PDS-Politiker Wolfgang Gehrcke und Vertretern der DKP. Gehrcke habe ihm vorgeschlagen, dass die PDS sich im Europaparlament dafür einsetzen könnte, die FARC von der Liste der terroristischen Organisationen zu streichen. "Es war ein sehr positives Treffen", heißt es "Roberto" zufolge.

Rückschlag für die FARC

Neben dem Vizechef soll auch der Gründer und bisherige FARC-Chef Pedro Antonio Marn alias Tirofijo (Blattschuss) tot sein. Der meistgesuchte Rebellenführer des südamerikanischen Landes sei am 26. März im Alter von 77 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben, berichtete die Zeitschrift "Semana" unter Berufung auf Angaben von Verteidigungsminister Juan Manuel Santos. Dies habe ein ungenannter Informant berichtet, dessen Angaben sich bisher noch nie als falsch erwiesen hätten, habe Santos in einem Interview hinzugefügt. "Wir wissen nicht, wie er gestorben ist. Zu dem genannten Zeitpunkt gab es drei heftige Bombardierungen des FARC-Lagers, in dem wir Tirofijo vermuteten.

"Es ist nicht links, Menschen zu verschleppen"

Gehrcke bestätigte dass er 2005 mit dem Sohn von Ral Reyes Kontakt hatte und mit ihm über einen Einsatz für die Streichung der FARC von der EU-Terrorliste sprach. Gehrcke sagte: "Den Bürgerkrieg in Kolumbien bringt man nicht mit Gewalt zu Ende." Solange die FARC auf der Terrorliste stehe, seien offizielle Kontakte schwierig. Aus den Erfahrungen der Bürgerkriege in Guatemala und El Salvador wisse man, dass es ohne Gespräche keinen Frieden geben werde. Er habe mehrfach in Deutschland und in Lateinamerika mit FARC-Mitgliedern gesprochen und ihnen gesagt: "Es ist nicht links, Menschen zu verschleppen, um einen politischen Preis dafür zu bekommen."

Im Juni 2007 hatte die Linksfraktion im Bundestag einen Antrag zur Streichung der FARC von der Terrorliste der EU gestellt. Die FARC sollen etwa 740 Menschen in ihrer Gewalt halten. Etwa 40 von ihnen - Militärs, Polizisten und Politiker - wollen sie gegen 500 inhaftierte Rebellen austauschen, darunter auch die Politikerin Ingrid Btancourt. Auf das Konto der FARC gehen auch zahlreiche Morde. Als eines ihrer Finanzierungsmittel gilt der Drogenexport.

Quelle: n-tv.de

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