Politik
Dieter Graumann: "Auschwitz liegt weiter zurück."
Dieter Graumann: "Auschwitz liegt weiter zurück."(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 27. November 2014

Graumann beklagt Antisemitismus: "Linke muss Verhältnis zu Israel klären"

Kurz vor seinem Abtritt als Präsident des Zentralrats der Juden redet Dieter Graumann den Deutschen ins Gewissen. Seiner Ansicht nach wird in Deutschland der Antisemitismus immer weniger verborgen. In der Linkspartei gebe es "regelrechte Israel-Hasser".

Der scheidende Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, hat ein zunehmend offenes Ausleben von Antisemitismus beklagt. Zudem stelle er seit einiger Zeit fest, dass der Antisemitismus auch weniger verborgen werde, sagte Graumann der "Bild"-Zeitung. Der Zentralrat bekomme häufiger als früher offen antisemitische Zuschriften mit Namen und Anschrift. "Es ist für manche Menschen kein Tabu mehr, ihre Judenfeindschaft auszuleben und zu zeigen", sagte Graumann.

Als besonders gravierend empfand Graumann die Zeit während der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen in diesem Sommer. Bei einigen Demonstrationen in Deutschland sei "purer, primitiver Judenhass" gezeigt worden, sagte Graumann.

Als mögliche Erklärung nannte der Präsident des Zentralrats der Juden die verblassende Erinnerung an den Holocaust. "Auschwitz liegt weiter zurück", sagte er über das NS-Konzentrationslager. "Der Schock über die Verbrechen der Nazis sitzt bei einigen offenbar nicht mehr so tief."

Klare Ansage an die Linkspartei

Von der Linkspartei forderte Graumann Klarheit über ihr Verhältnis zu Israel. Es gebe "regelrechte Israel-Hasser in der Linken, wie wir es immer wieder erleben, auch in den letzten Wochen. Das muss die Linke endlich dringend aufarbeiten."

Daneben sehe er aber auch Linke, "die Israel sachlich kritisieren". Die Partei sei in der Frage des Standpunkts gegenüber Israel gespalten. "Kritik an Israel ist keineswegs per se immer antisemitisch", sagte Graumann. "Wo sie aber völlig unverhältnismäßig und mit einer einseitigen hasserfüllten Fixierung auf Israel ausgelebt wird, ist die Grenze zum Antisemitismus überschritten."

Die Linke hatte in den vergangenen Wochen intern über ihre Israel-Politik gestritten. Anlass war unter anderem die Teilnahme mehrerer Linken-Abgeordneter an einer israelkritischen Veranstaltung.

Quelle: n-tv.de