Angeblich schon alles entschiedenLinke rufen "Herrn Lafontaine"

Wenn er redet, wird zugehört. Das gilt meist nicht nur für die Mitglieder der Linken. Auf Zugpferd Lafontaine ruhen mehr oder weniger heimlich immer noch die Hoffnungen der Partei für die nächste Bundestagswahl. Und so bereiten ihm einige Landesverbände schon mal den Weg zur Spitzenkandidatur. Gerüchte besagten derweil, es sei eh schon alles geklärt.
Die Landesverbände der Linken in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen wünschen sich eine stärkere Rolle von Oskar Lafontaine in der Partei. Andere Verbände halten sich mit Verweis auf die anstehenden Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen bislang noch mit Äußerungen zu Personalien zurück. Die Berliner Parteispitze hatte gemahnt, Personalfragen erst nach den im Mai anstehenden Wahlen zu diskutieren. Lafontaine selbst hält sich bislang bedeckt zu seinen Plänen, schließt aber nichts aus. Auf dem Parteitag Anfang Juni in Göttingen will die Partei eine neue Bundesspitze wählen.
Die Linkspartei Rheinland-Pfalz wünscht sich eine Rückkehr des früheren Bundesparteichefs Lafontaine in die Führungsebene. "Grundsätzlich würde ich begrüßen, wenn er im Parteivorstand wieder eine tragende Rolle übernimmt", sagte die Linke-Landesvorsitzende Elke Theisinger-Hinkel. Auch der baden-württembergische Landesverband hofft auf eine Rückkehr Lafontaines auf die bundespolitische Bühne - allerdings als Spitzenkandidat. "Es ist absolut wünschenswert, dass er die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl übernimmt", sagte Vorstand Bernd Riexinger. Die rund 16 Prozent, die die Linke im Saarland mit Fraktionschef Lafontaine bei der Landtagswahl geholt habe, sei zwar kein Ergebnis, das die Partei bundesweit hochziehe. "Ich glaube aber schon, dass Lafontaine ein gutes Zugpferd wäre."
Der sächsische Linke-Parteichef Rico Gebhardt sagte: "Ich würde mich freuen, wenn sich Oskar Lafontaine bei den Bundestagswahlen 2013 ganz intensiv in die Wahlkämpfe einmischt, und auch sonst halte ich Herrn Lafontaine für die Linke für unverzichtbar." In Sachsen gibt es mit rund 10.900 Parteimitgliedern den stärksten Landesverband.
Saar-Linke offen
Lafontaine gilt als Gründungsvater der 2007 aus ostdeutscher Linkspartei/PDS und westdeutscher WASG hervorgegangenen gesamtdeutschen Linken. Im Mai 2010 hatte sich der 68-Jährige wegen eines Krebsleidens vom Parteivorsitz zurückgezogen und ist seitdem nur noch saarländischer Fraktionschef. Immer wieder gibt es aber auch Spekulationen, dass Lafontaine an die Parteispitze zurückkehren oder die Linke zumindest als Spitzenkandidat in den Bundestagswahlkampf 2013 führen könnte. Für die Vorstandswahl Anfang Juni haben bislang nur die bisherige Parteichefin Gesine Lötzsch und Bundestags-Fraktionsvize Dietmar Bartsch ihre Kandidatur angekündigt. Parteichef Klaus Ernst hat sich noch nicht geäußert.
Die Saar-Linken selbst wollen kein weiteres Öl ins Feuer der Rückkehrdebatte gießen. Landeschef Rolf Linsler erklärte: "Das ist allein die Entscheidung Oskar Lafontaines. Egal, wie sie ausfallen wird, der saarländische Landesverband steht hinter ihm." Aus den anderen Landesverbänden hieß es, man wolle sich jetzt nicht an Personaldebatten beteiligen. So sagte der niedersächsische Landesvorsitzende Manfred Sohn: "Die Bundespartei wird schon die richtige Entscheidung treffen, wenn sie ansteht - und zwar im Juni."
Hingegen steht Mecklenburg-Vorpommerns Landeschef Steffen Bockhahn einer Rückkehr Lafontaines an die Spitze der Bundespartei weiterhin skeptisch gegenüber. "Ich unterstütze die Kandidatur von Dietmar Bartsch für den Parteivorsitz", machte Bockhahn deutlich.
Bereits alles klar?
Unter den führenden Politikern der Linken gibt es unterdessen angeblich bereits interne Absprachen über die Kandidaturen für die künftige Parteispitze. Wie der "Spiegel" berichtet, haben sich besonders die bisherigen Widersacher Lafontaine und Bartsch auf eine gemeinsame Lösung verständigt. Falls Lafontaine wieder Parteichef werden will, würde Bartsch demnach auf eine eigene Bewerbung verzichten, soll dafür aber wieder Bundesgeschäftsführer der Linken werden.
Falls Lafontaine sich gegen eine Rückkehr an die Parteispitze entscheidet, soll demnach der dem Realo-Flügel zugerechnete Bartsch den Vorsitz übernehmen. Das Realo-Lager würde im Gegenzug eine Kandidatur der Parteilinken Sahra Wagenknecht als Ko-Parteichefin unterstützen. Wer Ko-Parteichefin neben Lafontaine werden soll, geht aus dem Bericht nicht hervor. Im Gespräch sind neben der innerparteilich umstrittenen Amtsinhaberin Lötzsch auch die Linken-Politikerinnen Katja Kipping, Dagmar Enkelmann, Carola Bluhm und Kerstin Kaiser.
Nach den üblichen Proporzregeln sollte ein Mitglied des Spitzenduos aus dem Osten, das andere aus dem Westen kommen. Zudem sollten ihm eine Frau und ein Mann angehören. Spitzenkandidat der Linken für die Bundestagswahl 2013 dürfte Fraktionschef Gregor Gysi werden.