Politik

Nobelpreis Massaker-Opfern gewidmet Liu Xia bestätigt Hausarrest

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In Hongkong fordern Demonstranten die Freilassung des Friedensnobelpreisträgers.

(Foto: AP)

Die Frau des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiobo steht unter Hausarrest. Liu Xia bestätigt dies mit einer Nachricht im Internet. Menschenrechtler erklären zudem, sie habe ihren Mann im Gefängnis besucht. Er habe den Nobelpreis den Opfern des Massakers vom Tiananmen-Platz 1989 gewidmet, heißt es. Dann sei er in Tränen ausgebrochen.

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Liu Xia durfte ihren Mann eine Stunde lang besuchen.

(Foto: AP)

Die Ehefrau des diesjährigen Friedensnobelpreisträgers, des chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo, hat offenbar per Kurznachrichtenportal Twitter bestätigt, dass sie unter Hausarrest gestellt wurde. "Freunde, ich bin zurück Zuhause. Am 8. (Oktober) wurde ich unter Hausarrest gestellt", wurde über die Twitter-Adresse von Liu Xia mitgeteilt. "Ich weiß nicht, wann ich irgendjemanden sehen kann", hieß es weiter. Ihr Handy sei kaputt und sie könne weder Anrufe tätigen noch empfangen.

Über Liu Xias Twitter-Zugang wurde auch bestätigt, dass sie am Samstag ihren im Nordosten Chinas inhaftierten Mann besucht und ihm von seiner Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis erzählt habe. "Ich werde euch später mehr dazu sagen. Bitte helft mir alle beim Twittern", hieß es weiter. Die chinesische Polizei war seit Freitag mit harter Hand gegen zahlreiche Freunde und Unterstützer des Menschenrechtlers Liu vorgegangen.

"Für Frieden, Freiheit und Demokratie"

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Liu Xiaobo muss eine elfjährige Haftstrafe absitzen.

(Foto: dpa)

Nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation widmet Liu Xiaobo die Auszeichnung den Opfern des Massakers auf dem Pekinger Tiananmen-Platz 1989. Dies habe Liu seiner Frau gesagt, als diese ihn im Gefängnis besucht habe, erklärte die in New York ansässige Organisation Human Rights in China (HRIC). "Dieser Preis ist den verlorenen Seelen vom 4. Juni gewidmet", zitierte Liu Xia demnach ihren Mann im Gespräch mit HRIC. Die Opfer des Massakers auf dem Platz des himmlischen Friedens hätten ihr Leben "für den Frieden, die Freiheit und die Demokratie" gegeben. Laut HRIC dauerte der Besuch von Liu Xia bei ihrem Mann etwa eine Stunde. Gegen Ende des Treffens sei der 54-jährige Dissident in Tränen ausgebrochen.

Am 4. Juni 1989 hatte die chinesische Regierung die Kundgebungen der Demokratiebewegung auf dem Tiananmen-Platz blutig niedergeschlagen lassen. dabei kamen hunderte, möglicherweise sogar tausende Menschen ums Leben. Liu hatte damals mit weiteren Intellektuellen versucht, die Sicherheitskräfte zu beschwichtigen. Er wurde festgenommen und saß eineinhalb Jahre in Haft. Im Dezember 2009 wurde Liu wegen Untergrabung der Staatsgewalt zu elf Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem er sich an der Verfassung und Verbreitung der sogenannten Charta 08, einem Aufruf zu umfassenden politischen Reformen in China, beteiligt hatte.

Ausland soll Vorgehen verurteilen

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Das Gefängnis, in dem Liu inhaftiert sein soll, steht unter verstärkter Bewachung.

(Foto: AP)

HRIC und die ebenfalls in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation Freedom Now hatten bereits zuvor mitgeteilt, dass Liu Xia unter Hausarrest stehe. "Beamte der Staatssicherheit hindern Liu Xia daran, mit Medien und ihren Freunden in Kontakt zu treten", erklärte HRIC. Ihr sei gesagt worden, dass sie ihre Wohnung nur in Begleitung in einem Polizeiwagen verlassen dürfe. Der Hausarrest löste Empörung aus. "Wir hoffen, dass die ausländischen Staatschefs dieses schändliche Vorgehen der chinesischen Regierung umgehend verurteilen", sagte Lius Rechtsbeistand Yang Jianli laut Freedom Now.

Die Nachricht vom Treffen Lius mit seiner Frau war das erste Lebenszeichen der bis dahin verschwundenen Liu Xia. Die Polizei hatte sie am Samstag zum Verlassen Pekings aufgefordert und ihr dafür das Treffen mit ihrem Mann in der Stadt Jinzhou in Aussicht gestellt. Das Osloer Nobelkomitee hatte Liu für "seinen langen und gewaltlosen Kampf für fundamentale Menschenrechte" geehrt. Chinas Regierung hatte empört reagiert und Liu als "Kriminellen" bezeichnet. Hingegen stieß die Auszeichnung im Westen auf große Zustimmung.

Regierungskontakte eingestellt

China stellte derweil aus Protest die Regierungskontakte mit Norwegen ein. Wie der Rundfunksender NRK meldete, sagte die Pekinger Führung einen Besuch der Osloer Fischereiministerin Lisbeth Berg-Hansen kurzfristig ab. Die Absage sei sowohl von offizieller chinesischer Seite wie auch der Botschaft der Skandinavier in Peking bestätigt worden, hieß es in dem Bericht.

Der Dalai Lama kritisierte derweil Chinas Reaktion auf die Auszeichnung Lius scharf. Die Regierung in Peking "schätzt andere Meinungen überhaupt nicht", sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo News. Die Schaffung einer offenen und transparenten Gesellschaft sei "der einzige Weg, alle Chinesen zu retten". Es gebe aber in der chinesischen Führung einige "Hardliner", die in "altem Denken" verhaftet seien. Der im Exil lebende Dalai Lama erhielt 1989 den Friedensnobelpreis. Auch damals hatte China die Entscheidung scharf kritisiert.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa/rts

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