Politik

"Sehr modern, sehr effektiv" Die deutsche Waffe, die den Unterschied macht

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Das Flugabwehrsystem IRIS-T wird bei der Bundeswehr von Tornados und Eurofightern aus eingesetzt. Die Ukraine soll es als System bekommen, das vom Boden aus operiert.

(Foto: picture alliance/dpa/Diehl)

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Bisher hat die Ukraine aus dem Westen viel ausrangiertes Material bekommen - alte Panzer aus Sowjetbeständen. Kanzler Scholz kündigt heute an, das Flugabwehrsystem IRIS-T-SLM zu liefern. Hochmodern und effektiv, wie Experte Richter sagt.

Was ist die IRIS-T-SLM?

IRIS-T-SLM ist ein hochmodernes Flugabwehrraketensystem, das vom Boden aus feindliche Angriffe aus der Luft abwehrt. Es kann im 360 Grad-Winkel agieren und mit Flugkörpern feindliche Flugzeuge, Hubschrauber und Drohnen in einer Höhe von bis zu 25 Kilometern abschießen. Die Reichweite beträgt 40 Kilometer. Hersteller ist das deutsche Rüstungsunternehmen Diehl Defence, das IRIS-T-SLM bislang nur ins Ausland verkauft. Schweden, Norwegen und Ägypten zählen zu den Abnehmern. Auch Saudi-Arabien und die Emirate haben Interesse bekundet.

Die Bundeswehr benutzt IRIS-T, allerdings als Luft-Luft-Raketensystem, bei dem von einem Flugzeug aus - also vom Tornado oder vom Eurofighter - gegnerische Flugzeuge abgeschossen werden. Das Boden-Luft-System, das die Ukraine nun erhalten soll, nutzt die Bundeswehr nicht und hat entsprechend auch keine Ausbilder für dieses System.

Wie funktioniert das Abwehrsystem?

Zu einem IRIS-T-SLM-Flugabwehrsystem gehören ein Feuerleitzentrum, ein Zielerfassungs- und Zielverfolgungsradar sowie eine bis drei Starteinheiten mit je acht Raketen. Ist die Rakete unterwegs, dann gibt die Kontrolleinheit die Zieldaten automatisch und permanent an die Rakete weiter. Sie teilt ihr also die nötigen Kurskorrekturen mit, denn das Ziel bewegt sich ja. "Erst im Endanflug übernimmt ein störresistenter Infrarot-Suchkopf die Lenkung der Rakete", erklärt Militärexperte Wolfgang Richter ntv.de. "Die Infrarot-Technik sucht die Hitzequelle im Ziel, also den Motor des Flugzeugs", wo die Rakete schließlich explodiert.

Wo kann Luftabwehr der Ukraine nützen?

"Wenn man sich die Kämpfe im Donbass derzeit anschaut, gibt es dort, etwa in Sjewjerodonezk, eine Konzentration von Luftangriffen", sagt Richter. Entsprechend wäre IRIS-T-SLM eine erhebliche Stärkung der Verteidigungskraft, denn das System ist in der Lage, einen großen Operationsraum am Boden vor Luftangriffen zu schützen. Dort könnte sowohl eine Großstadt liegen, wie es der Kanzler in seiner Bundestagsrede andeutete, "dort können aber auch ukrainische Truppen operieren. Das würde den Verteidigern einen wesentlichen Zugewinn bringen", meint der Experte, der für die Stiftung Wissenschaft und Politik zu Verteidigungspolitik forscht. Seine Einschätzung zum IRIS-T-SLM: "Sehr modern, sehr effektiv".

Warum ist IRIS-T-SLM gerade für die Ukraine so nützlich?

Eine Einheit des IRIS-T-SLM besteht aus einem Radarsystem, einem Kontrollsystem und ein bis drei Startsystemen mit je acht dort montierten Flugabwehrraketen. "Alle Komponenten befinden sich in Containern, die auf Fahrzeuge verladen oder auch im Lufttransport verlegt werden können. Radar- und Kontrollsystem können sich in einem Container oder Fahrzeug befinden", sagt Richter, für die Raketen sei dann ein weiteres Fahrzeug notwendig, so dass eine Einheit ohne Nachladung gegebenenfalls nur zwei Fahrzeuge umfassen muss. Das macht IRIS-T-SLM sehr mobil, worin laut Militärexperte Gustav Gressel ein großer Vorteil für die Ukraine liegt.

Denn das Radar, das die ukrainische Armee nutzt, um Angriffsziele zu erfassen, das können auch die gegnerischen Truppen ihrerseits orten. "Deshalb schießen die Ukrainer immer nur eine Abwehr-Salve aus einer Stellung. Danach schalten sie das Radar ab, bringen ihre Geräte an einen anderen Ort und warten, bis die Russen den nächsten Einsatz fliegen", erklärte Gressel im Interview mit ntv.de. Für diese Taktik benötige man sehr mobile Geräte, darum sei die IRIS-T-SLM "für die Ukraine eine sehr gute Waffe".

Ab wann kann die Ukraine das System nutzen?

Öffentliche Aussagen zur Lieferzeit gibt es von der Bundesregierung noch nicht. Die Bundeswehr hat das Boden-Luft-System nicht im Bestand, hier ist also Diehl Defence als Hersteller gefragt. Nach Aussage Gressels wurde im April eine Tranche nach Ägypten geliefert und Diehl ist an seine Verträge gebunden. "In diesen Verträgen gibt es allerdings eine Klausel für den nationalen Bedarf. Die Bundesregierung müsste also einschreiten und sagen: 'Wir melden Bedarf an diesem Gerät an, wir requirieren es und geben es an die Ukraine'." Ob die Regierung diese Möglichkeit nutzt, hat sie nicht mitgeteilt. Aber laut Experte Richter "könnten laufende Aufträge storniert oder verzögert werden, um Geräte, die in Produktion oder bereits produziert sind, für den Bedarf in der Ukraine umzuleiten".

Die ukrainische Truppe müsste an der Technik ausgebildet werden, "das ist ja kein selbsterklärendes System", sagt Richter. Da jedoch das Land eigene Luftverteidigungssysteme ähnlicher Bauart nutze, müssten die spezialisierten Soldaten nicht bei Null anfangen. "Ich denke, dass professionelles Personal, das schon auf anderen Luftverteidigungssystemen trainiert hat, die Iris-T-SLM innerhalb weniger Wochen bedienen könnte."

Quelle: ntv.de

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