Politik

Schießbefehl gegen Demonstranten? Machtkampf erschüttert Burkina Faso

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Opfer der Gewalt in Ouagadougou: Regierungsgegner bringen einen Verletzen aus der Schusslinie.

(Foto: REUTERS)

In Westafrika schlittert ein international wenig beachteter Staat ins Chaos. Die Proteste gegen Präsident Compaoré eskalieren: Die Oppositionsbewegung spricht von 30 Todesopfern. Das Militär schweigt. Der Staatschef klammert sich an die Macht.

Bei schweren Protesten in Burkina Faso gegen Staatschef Blaise Compaoré sind nach Angaben der Opposition zuletzt rund 30 Menschen getötet worden. Außerdem erlitten mehr als hundert Menschen Verletzungen, wie Oppositionsführer Bénéwendé Sankara erklärte. Es blieb zunächst unklar, ob sich diese Zahlen nur auf die Hauptstadt Ouagadougou beziehen oder auf das gesamte Land.

Die Proteste gegen Compaoré, der sich mit einer umstrittenen Verfassungsänderung eine weitere Amtszeit sichern wollte, waren im Laufe des Tages eskaliert. Am Abend übernahm die Armee die Macht in dem westafrikanischen Staat. Kurz zuvor hatte Compaoré die Regierung und das Parlament aufgelöst und den Notstand im Land ausgerufen. Zugleich wurde landesweit eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.

In einer Radioansprache lehnte Compaoré einen Rücktritt ausdrücklich ab. Der Amtsverzicht des Präsidenten sei aber "nicht verhandelbar", erklärte die Opposition und bezeichnete die Machtübernahme durch das Militär als einen "Staatsstreich".

Seit fast drei Jahrzehnten Präsident

Seit Tagen kommt es in der Hauptstadt des Landes zu Massenprotesten mit zahlreichen Teilnehmern aus einer breiten Schicht der Bevölkerung. Compaoré ist seit einem Staatsstreich vor gut 27 Jahren an der Macht. Zuletzt wagten sich Ouagadougou erneut Tausende Menschen auf die Straße, um gegen eine geplante Wiederwahl des Langzeitpräsident Compaoré zu protestieren. Dabei kam es zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei. Unter anderem wurde das Parlamentsgebäude in Brand gesetzt.

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Die alte Ordnung wackelt: Die blutigen Proteste destabilisieren eine ganze Region.

Das Parlament plante zuletzt eine Verfassungsänderung, wonach Compaore - der das Land seit 1987 als Präsident regiert - eine weitere Amtszeit anstreben könnte. Burkina Faso mit etwa 17 Millionen Einwohnern ist eines der ärmsten Länder der Welt.

Dank seiner starren Machtverhältnisse galt der westafrikanische Staat im Süden der Sahara bislang als Hort der Stabilität in einer von zahlreichen Konflikten und Spannungen geprägten Region. Burkina Faso grenzt im Nordwesten an Mali, im Nordosten an Niger, im Süden an Benin, Togo und Ghana sowie im Südwesten an die Elfenbeinküste.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa