Politik

Uni will Doktorgrad entziehen Mathiopoulos in der Klemme

Doktortitel bei Politikern gelten inzwischen nicht mehr automatisch als Ausweis besonderer wissenschaftlicher Befähigung. Das trifft auch auf die FDP-Politikerin Mathiopoulos zu, die es sich offenbar bei ihrer Dissertation etwas zu leicht gemacht hat. Nun will die Uni Bonn zur letzten Maßnahme greifen.

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Mathiopoulos soll bei ihrer Doktorarbeit nicht ganz sauber gearbeitet haben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Universität Bonn will der Politikprofessorin und FDP-Politikerin Margarita Mathiopoulos den Doktorgrad entziehen. Nach mehrmonatiger Überprüfung der Doktorarbeit habe sich der zuständige Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät für die Entziehung des Doktorgrades ausgesprochen, sagte ein Sprecher der Universität Bonn. Er bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der "Zeit".

Margarita Mathiopoulos wurde demnach die Gelegenheit zu einer Stellungnahme eingeräumt. Nach Angaben des Universitätssprechers ging bei der Fakultät bereits ein Schreiben ihres Rechtsanwaltes ein. Die dort aufgetauchten Detailfragen sollten nun geklärt werden. Der Fakultätstag will endgültig am 1. Februar nächsten Jahres über die Entziehung des Doktortitels entscheiden, sagte der Sprecher.

Die in den 1980er Jahren vorgelegte Arbeit von Mathiopoulos war bereits Anfang der 1990er Jahre in die Kritik geraten. Eine stichprobenartige Überprüfung hatte damals nach Angaben der Universität zwar handwerkliche Mängel offenbart, aber keine Verfehlungen, die zur Aberkennung des Doktortitels geführt hätten. Mathiopoulos war später Honorarprofessorin an mehreren deutschen Universitäten. Mathiopoulos promovierte bei dem renommierten Bonner Politologen Prof. Karl Dietrich Bracher.

Die neue Überprüfung war durch Vorwürfe der Internetplattform VroniPlag ins Rollen gekommen. Danach soll die Arbeit zahlreiche wörtliche Übernahmen "ohne die wissenschaftlich gebotene Kennzeichnung fremden Gedankenguts" enthalten. Seit dem Sommer hatte sich die Universität Bonn daher erneut mit der Doktorarbeit befasst. Ungeachtet der Stellungnahme von Mathiopoulos werde der Promotionsausschuss weiterhin unverändert an seiner Rechtsauffassung festhalten, sagte Klaus Gärditz, Leiter der Untersuchungskommission und Mitglied des Promotionausschusses, der "Zeit".

Brandt wollte Mathiopoulos als Sprecherin

Mathiopoulos war 1987 bundesweit bekannt geworden, als der damalige SPD-Vorsitzende Willy Brandt die seinerzeit parteilose Politikwissenschaftlerin zur SPD-Sprecherin machen wollte. Nach heftiger innerparteilicher Kritik an der Nominierung von Mathiopoulos trat Brandt vom SPD-Vorsitz zurück.

Wegen Plagiaten in ihren Dissertationen waren in den vergangenen Monaten dem früheren Verteidigungsminister (CSU) und den FDP-Europapolitikern und Jorgo Chatzimarkakis ihre Doktortitel entzogen worden. Chatzimarkakis kündigte an, er werde eine neue Arbeit vorlegen

Quelle: ntv.de, AFP/dpa

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