Politik
Mittwoch, 30. Januar 2008

Giuliani kläglich gescheitert: McCain kaum noch zu stoppen

Nun ist er wirklich der "Phoenix aus der Asche": Nach seinem Sieg bei der republikanischen Präsidentschaftsvorwahl im US-Bundesstaat Florida steuert der 71-jährige John McCain auf die Nominierung als Spitzenkandidat zu. Anders als die Demokraten hat die konservative "Grand Old Party" damit vor dem "Super-Dienstag" mit seinen Abstimmungen in über 20 Staaten einen klaren Favoriten. Und es ist ausgerechnet jener Mann, der - geplagt von Geldsorgen und Chaos in seinem Team - zu Beginn des Wahlkampfs politisch praktisch schon totgesagt worden war.

Wer dagegen verliert, der stürzt oft tief. Wie Rudy Giuliani, der große "Loser" der Wahlnacht in Florida. Die US-Medien widmeten dem Absturz des früheren Bürgermeisters von New York mehr Platz als der Niederlage Mitt Romneys, der sein Abschneiden bitter mit einem "so nah und doch so fern" kommentierte. Nicht, dass die Bruchlandung Giulianis, des Helden vom 11. September 2001, im vermeintlichen "Rudy-Land" Florida überraschend gekommen wäre. Journalisten hatten schon längst ihre Nachrufe fertig, als Giuliani noch am Dienstag der Öffentlichkeit und wohl auch sich selbst einzuhämmern versuchte: "Heute beginnt mein Sieg."

"Später Start, frühes Ende"

Weit gefehlt: "Später Start, frühes Ende", titelte beispielsweise die "Washington Post" und widmete zwei ganze Seiten der Frage, wie sich Rudy so verkalkulieren konnte. Die Antwort: Er hat so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Aus Arroganz, wie es heißt, aber auch aus Verzweiflung. Als er antrat, flog er bei den US-weiten Umfragen rasch an die Spitze. Aber das besagte wenig, denn die Musik spielt bei den ersten Vorwahlen, sie geben den Ton an. Hier jedoch, so befand Giuliani, gab es für ihn wenig zu holen, und so setzte er ganz auf Florida als seinen wahren Einstieg ins Rennen, als Trampolin, das ihn zum Sieg am "Super-Dienstag" katapultiert. In Florida wimmelt es von Ruheständlern aus New York und insgesamt dem US-Nordosten und dazu von Exilkubanern. Und die, so meinte Giuliani, wüssten die starken Worte des Ex-Bürgermeisters gegen Terroristen und Diktatoren wie Kubas Fidel Castro schon zu honorieren, eben "Rudy-Land".

Aber Giuliani trickste sich selbst aus. Während er sieben Wochen im Sonnenschein-Staat Wahlkampf machte, gab es Iowa und New Hampshire, beherrschten die frühen Vorwahlen die Schlagzeilen - und Rudy glänzte durch Abwesenheit. Als es in den Umfragen zunehmend bergab ging, die Säle bei seinen Auftritten im Süden leerer wurden und der Spendenfluss immer dünner, war es zu spät.

"Er war erfolgreich, weil er fies war"

"Er glaubte es nicht nötig zu haben, sich in Iowa und New Hampshire die Hacken abzurennen wie andere", hieß es am Mittwoch in Kommentaren - oft auch mit einem Schuss Schadenfreude. Denn galt Rudy vor allem dank seines entschlossenen Auftretens nach den Terroranschlägen 2001 auch als ein Mann, der "Dinge gebacken kriegt", so fanden ihn die Medien in seiner Persönlichkeit doch wenig sympathisch. "Er war als Bürgermeister erfolgreich, weil er fies war", hieß es kurz vor der Florida-Wahl in einem Zeitungskommentar, ein Fußtritt für einen Politiker, der da praktisch schon am Boden lag.

Der Gewinner McCain badete in der Nacht zum Mittwoch nur kurz in seinem Erfolg, seinem "süßen Sieg", wie er es bezeichnete. Dann ging es nach Kalifornien, einem der wichtigsten Staaten bei der Kandidatenkür am kommenden Dienstag: "Heute, meine Freunde, feiern wir, morgen heißt es zurück zur Arbeit. Wir haben noch ein ganzes Stück vor uns, aber wir kommen dem Ziel nahe." McCains Spendensäckel ist zwar immer noch reichlich leer, weitaus magerer als die Brieftasche seines in Florida unterlegenen Rivalen Romney, der fast unbegrenzt aus seinem privaten Fundus schöpfen kann. "Aber mit dem Erfolg kommt auch das Geld", brachte es ein CNN-Kommentator auf den Punkt. "Er ist kaum mehr zu stoppen", hieß es am Mittwoch übereinstimmend in den US-Medien.

Clinton feiert sieglosen Sieg

Hillary Clinton bekam dagegen in den Medien ihr Fett weg. Sie feierte sich am Dienstag in Florida als Siegerin demokratischer Vorwahlen, deren Bedeutungslosigkeit für die Nominierung von vornherein feststand; wegen eines Streits um den Wahltermin werden die Demokraten bei ihrem Nominierungsparteitag keine Delegierten aus Florida zulassen.

Da folglich kein Wahlkampf stattfand, wird das Ergebnis von vielen Analytikern als verzerrt angesehen, weil die Ex-First-Lady zweifellos zu einem Gutteil von ihrem Bekanntheitsgrad profitierte. Hillarys offensichtlicher Trick, Schlagzeilen zu erhalten, kam nicht überall gut an. So bemerkte die "Washington Post" ironisch: "Das einzige, was bei der Siegesfeier fehlte, war ein Sieg."

Quelle: n-tv.de