Politik

USA warnen vor Eskalation Mehr als 200 Verletzte bei Krawallen in Jerusalem

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Die Lage in Jerusalem ist seit Tagen angespannt.

(Foto: REUTERS)

Tausende gläubige Palästinenser versammeln sich am letzten Freitag des Ramadam auf dem Tempelberg zum Beten. Dann fliegen Steine und Flaschen auf israelische Sicherheitskräfte, die das Gelände absichern sollen. Es ist der Beginn einer gewalttätigen Nacht.

Bei schweren Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei in Ost-Jerusalem sind fast 170 Menschen verletzt worden. Vor der Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg attackierten Gläubige die Sicherheitskräfte mit Steinen, während die Polizei Gummigeschosse auf die Angreifer abfeuerte. Die Zusammenstöße ereigneten sich vor dem Hintergrund wachsender Spannungen in den von Israel besetzten Gebieten. Die USA riefen zur Deeskalation auf.

Der palästinensische Rote Halbmond erklärte, bei den Auseinandersetzungen auf dem Tempelberg seien dutzende Palästinenser durch Gummigeschosse der Polizei verletzt worden. Auch in anderen Teilen der Stadt gab es gewaltsame Zusammenstöße. Der Rote Halbmond sprach von insgesamt 163 verletzten Palästinensern. Die Hilfsorganisation richtete am Tempelberg ein Feldlazarett ein.

Am letzten Freitag des islamischen Fastenmonats Ramadan hatten sich tausende Gläubige auf dem Tempelberg zum Gebet versammelt. Nach Angaben der israelischen Polizei, welche die Zugänge zu dem Areal bewacht, wurden die Beamten anschließend von "hunderten Randalierern" mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen. Sechs Polizisten seien verletzt worden.

Über der Altstadt stieg Rauch auf, dutzende Schüsse waren zu hören. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas machte die israelische Regierung für die Unruhen verantwortlich und bezeichnete die Demonstranten als "Helden". Zuletzt hatten sich im August 2019 gewaltsame Auseinandersetzungen mit mehreren Verletzten auf dem Tempelberg ereignet. Der Tempelberg ist eine heilige Stätte nicht nur des Islam, sondern auch des Judentums und des Christentums.

Massive Spannungen wegen Zwangsräumungen

Die USA äußerten sich "tief beunruhigt" über die Lage in Jerusalem. Das Außenministerium rief zur "Deeskalation" auf und warnte vor Schritten, die zur Verschärfung der Situation führen könnten. Das Ministerium bezog sich dabei auf Zwangsräumungen und Israels Siedlungsaktivitäten.

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Derzeit gibt es unter anderem wegen drohender Zwangsräumungen für palästinensische Familien im von Israel annektierten Ost-Jerusalem massive Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern. Seit einigen Tagen kommt es deswegen täglich zu teils gewaltsamen Protesten. Auch am Freitag versammelten sich zahlreiche Demonstranten im Stadtviertel Scheich Dscharrah, wo mehr als 30 Palästinensern die Zwangsräumung durch die israelischen Behörden droht. Die Polizei trieb die Menge mit Blendgranaten auseinander.

Israel hatte den Ostteil Jerusalems im Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzt und 1980 annektiert. Die Annexion wird international nicht anerkannt. Anfang des Jahres hatte das Jerusalemer Bezirksgericht entschieden, dass die Häuser der palästinensischen Familien rechtmäßig jüdischen Familien gehörten. Nach israelischem Recht können jüdische Israelis vor Gericht Besitzanspruch auf Häuser in Ost-Jerusalem anmelden, wenn ihre Vorfahren vor dem arabisch-israelischen Krieg (1948-49) dort im Besitz von Grundstücken waren.

Quelle: ntv.de, Claire Gounon, AFP

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