Politik

Nulands Patzer trübt transatlantisches Verhältnis Merkel: "Fuck the EU" ist "inakzeptabel"

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Angela Merkel lässt auf Catherine Ashton nichts kommen.

(Foto: REUTERS)

Die Affäre um US-Spitzendiplomatin Nuland belastet die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Kanzlerin Merkel ist außer sich, dass die Bemühungen der EU in der Ukraine derart torpediert werden. Derweil ist ein neues delikates Tondokument aufgetaucht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit deutlicher Kritik auf die verbale Entgleisung der US-Spitzendiplomatin Victoria Nuland

reagiert. Eine Regierungssprecherin richtete aus, Merkel halte die Äußerung für "absolut inakzeptabel". In den Augen Merkels mache die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hervorragende Arbeit, und die EU werde sich weiter bemühen, die Lage in der Ukraine zu beruhigen.

Die im US-Außenministerium für Europa zuständige Abteilungsleiterin, Nuland, hatte abfällig über die Europäische Union gesagt: "Fuck the EU." Die Äußerung fiel in einem vertraulichen Telefongespräch Nulands vor einigen Tagen mit dem US-Botschafter in der Ukraine, Geoffrey Pyatt, in dem es um Lösungsansätze zur Beilegung der Krise in der früheren Sowjetrepublik ging. Ein Tonbandmitschnitt davon ist im Internet gelandet. Ein Mitarbeiter der russischen Regierung hatte den Mitschnitt nach eigenen Angaben bei YouTube entdeckt und weiter verbreitet.

"Abhören ist halt blöd"

Die Diplomatin entschuldigte sich nach Angaben des US-Außenministeriums bei ihren europäischen Partnern. Im Auswärtigen Amt in Berlin ist nach Angaben eines Sprechers keine Entschuldigung eingegangen. Die "geeignete Adresse" dafür wäre aber auch die EU. Mit Blick auf den heimlichen Mitschnitt des Telefonats sagte der Außenamtssprecher, dies zeige einmal mehr: "Abhören ist halt blöd."

Die US-Regierung stellte die Echtheit der anonym bei YouTube eingestellten Nuland-Äußerungen nicht in Frage. Ein Sprecher des US-Präsidialamtes erklärte, die Tatsache, dass die Regierung in Moskau den mit russischen Untertiteln versehenen Mitschnitt entdeckt und per Twitter verbreitet habe, sage viel über "die Rolle Russlands" aus. Nuland sprach von einer "sehr eindrucksvollen Spionagetaktik".

Streit zwischen Ashton und Kerry

Neben dem Telefonat Nulands mit Pyatt ist derweil eine weitere Konversation über die Ukraine-Krise im Netz aufgetaucht. Es handelt sich offenbar um ein Gespräch zwischen der Generalsekretärin des Europäischen Auswärtigen Diensts, Helga Schmid, und dem EU-Botschafter in Kiew, Jan Tombinski. Und auch die Aussagen Schmids haben es in sich.

"Die Amerikaner gehen ein bisschen rum und erzählen, dass wir zu weich sind, während sie stärker sind und auf Sanktionen gehen", sagte Schmid demnach offensichtlich. "Was Du wirklich wissen solltest und was uns sehr ärgert: Dass die Amerikaner wirklich rumgehen und die EU an den Pranger stellen und sagen, wir seien da zu soft." Die EU sei "überhaupt nicht soft". Sie wolle "nicht, dass Cathy (Ashton) beschädigt wird", sagte Schmid über die EU-Außenbeauftragte. Das Vorgehen der Amerikaner sei "wirklich sehr unfair". Ashton werde das Thema mit US-Außenminister John Kerry ansprechen. Sie traf Kerry am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz.

Klitschko warnt EU und USA

Die Beziehungen zwischen Russland und den USA sind gespannt, was sich auch in der Ukraine-Krise offenbarte. Ein Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin beschuldigte die USA, gewaltbereite Demonstranten in Kiew zu unterstützen. Es gebe Informationen, dass auf dem Gelände der US-Botschaft Kämpfer ausgebildet und bewaffnet würden, sagte der russische Ukraine-Beauftragte Sergej Glasjew. Nuland wies die Äußerungen als "pure Fantasie" zurück. Glasjew könnte ein guter Science-Fiction-Autor sein.

Klitschko warnte davor, dass die USA und die EU sich nicht gegeneinander ausspielen lassen dürften. Die Veröffentlichung des Telefongesprächs sei eine Provokation, sagte er der "Bild"-Zeitung. Die EU und die USA müssten weiter gemeinsam in der Ukraine vermitteln, alles andere helfe nur der Regierung von Janukowitsch.

Quelle: ntv.de, dsi/jog/dpa/rts

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