Politik

Zu Konsultationen in Indien Merkel will Türen für Wirtschaft öffnen

Bundeskanzlerin Merkel fordert zum Auftakt der 3. deutsch-indischen Regierungskonsultationen von Indien eindeutige Bekenntnisse zu einer Wirtschaftskooperation. Von den Konsultationen soll das Signal ausgehen, dass beide Regierungen eng zusammenarbeiten.

Begleitet von mehreren Ministern hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Regierungskonsultationen in Indien aufgenommen, die auf die Ausweitung des wirtschaftlichen Austausches zielen. Merkel betonte bei einem Empfang im Präsidentenpalast in Neu Delhi, dass es in Bereichen der Industrie, der Landwirtschaft, der Entwicklungspolitik und der Verteidigung bereits eine intensive Zusammenarbeit gebe. Außenminister Frank-Walter Steinmeier forderte einen Abbau der Hürden für ausländische Firmen.

"Ein verlässlicher rechtlicher und administrativer Rahmen ist unerlässlich für deutsche Unternehmen in Indien", sagte Steinmeier der "Hindustan Times". Deutsche Firmen seien besorgt über zu viel Bürokratie und Korruption sowie Mängel bei der Infrastruktur und einen Mangel an qualifizierten Arbeitern. Zugleich lobte er aber Premierminister Narendra Modi dafür, dass er in die richtige Richtung gehe. Der Hindunationalist hat seit seinem Amtsantritt im Mai 2014 die Reform der Wirtschaft zur Priorität gemacht, um mehr ausländische Investoren ins Land zu holen.

Merkel war am späten Sonntagabend in der indischen Hauptstadt Neu Delhi gelandet. Begleitet wird sie neben Steinmeier von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, Bildungsministerin Johanna Wanka, Landwirtschaftsminister Christian Schmidt und Entwicklungsminister Gerd Müller sowie weiteren Politikern und Wirtschaftsvertretern. Geplant sind am Montag bilaterale Gespräche zwischen Merkel und Premierminister Modi, dessen Außenministerin Sushma Swaraj und Staatspräsident Pranab Mukherjee.

Wiederbelebung des Freihandelsabkommens

Bei den Regierungskonsultationen soll es um Fragen der bilateralen Zusammenarbeit in Wirtschaft, Wissenschaft und Klimapolitik gehen. Es wird auch erwartet, dass Merkel und Modi über die Wiederbelebung der Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU sprechen. Die deutschen Investitionen in Indien liegen bei rund 9,7 Milliarden Euro, rund 1600 Firmen sind in dem Land präsent. Deutschland ist Indiens größter Handelspartner in der EU, das Handelsvolumen lag 2014 bei fast 16 Milliarden Euro.

Am Dienstag reist Merkel weiter in die südindische Technologiemetropole Bangalore, wo sie den deutschen Elektronikkonzern Bosch besucht und an einem deutsch-indischen Wirtschaftsforum teilnimmt. Modi war seinerseits im April zur Eröffnung der Hannovermesse nach Deutschland gekommen. Der Hindunationalist, der wegen seiner Politik gegenüber der muslimischen Minderheit in Indien umstritten ist, war im Mai 2014 mit dem Versprechen an die Macht gewählt worden, die Wirtschaft zu öffnen und ausländische Investoren ins Land zu holen.

Quelle: ntv.de, ppo/AFP/dpa