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An ihren Mützen sollt ihr sie erkennen: Die Trump-Gegnerinnen tragen Rosa.
An ihren Mützen sollt ihr sie erkennen: Die Trump-Gegnerinnen tragen Rosa.(Foto: REUTERS)
Sonntag, 22. Januar 2017

"Women's March on Washington": Millionen protestieren gegen Trump

Der neue US-Präsident spaltet die Welt. In Washington versammeln sich mehr Gegner als Unterstützer beim Amtseid am Vortag. Der Marsch gegen Sexismus ist zu einer globalen Bewegung gegen Donald Trump geworden, einschließlich Deutschland

Einen Tag nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump haben sich dessen Gegner lautstark zu Wort gemeldet: In Washington strömten überwiegend Frauen zu einer Großdemonstration gegen den Rechtspopulisten zusammen. Beobachter schätzten die Menge auf etwa eine halbe Million Menschen - und damit auf deutlich mehr als bei der Inauguration am Vortag. Weitere große Demonstrationen gegen Trump fanden unter anderem in New York, Boston und Denver statt. Landesweit am meisten Menschen - mehr als 750.000 - versammelten sich allerdings in Los Angeles.

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In Chicago versammelten sich nach Angaben der Zeitung "Chicago Tribune" rund 150.000 Kritiker des neuen US-Präsidenten, in New York etwa 200.000. Auch in Boston versammelten sich mehr als 100.000 Menschen. Zudem demonstrierten US-Bürger in kleineren Städten sowie Trump-Gegner rund um die Welt.

An die Stelle der roten Schirmmützen mit dem Trump-Slogan "Make America Great Again", die während der Vereidigung auf der National Mall in Washington massenhaft zu sehen waren, traten pinkfarbene Mützen: Sie sind das Symbol des "Women's March on Washington", zu dem Aktivistinnen für Samstag aufgerufen hatten. Die sogenannten "Pussy Hats" wollen die Trägerinnen als Antwort auf Trumps vulgäre und herabwürdigende Äußerungen über Frauen verstanden wissen.

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So viele Menschen machten sich auf den Weg zum Protestzug, dass das U-Bahn-System teilweise überlastet war. Um 11.00 Uhr Ortszeit zählten die Verkehrsbetriebe 275.000 U-Bahn-Fahrten - das Achtfache des sonst an Samstagen üblichen Betriebs. Washingtons Vizebürgermeister Kevin Donahue sagte, die Organisatoren hätten ihre erwartete Teilnehmerzahl von 200.000 auf 500.000 erhöht. Die Stadt gibt selbst keine Teilnehmerzahlen bekannt. Auch Busse und Züge aus dem ganzen Land brachten Protestteilnehmer in die Hauptstadt.

"Ich will unsere Rechte schützen"

Angeregt von einer Frau aus Hawaii hat ein breitgefächertes Bündnis aus politischen Aktivisten zu der Protestwelle aufgerufen. Die Gruppen setzen sich nicht nur für traditionelle Frauenrechts-Themen ein, sondern beispielsweise auch für eine stärkere Kontrolle von Waffenbesitz. Zu den Demonstrationen waren in erster Linie Frauen, aber auch Männer aufgerufen.

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"Ich will unsere Rechte schützen", sagte die 72-jährige Trisha Norman, die aus North Carolina angereist war. Sie wolle zeigen, "dass die Menschen zusammen stark sein" könnten. Die 45-jährige Michele Philipps aus New York sagte, Trump habe eine "Plattform für Hass und Bigotterie" geschaffen. "Ich weiß, dass wir es besser können, wir müssen für den Wandel kämpfen, den wir haben wollen."

Clinton bedankt sich

Protestschilder trugen Aufschriften wie "Nimm deine Finger von mir" oder "Steh auf, liebe, leiste Widerstand". Unterstützung gab es von Prominenten: Hollywood-Star Scarlett Johansson und Regisseur Michael Moore sollten als Redner auftreten. Trumps Wahlkampf-Rivalin Hillary Clinton bekundete den Demonstranten bei Twitter ihre Unterstützung: "Danke, dass ihr für unsere Werte aufsteht, sprecht und marschiert", schrieb sie.

Der Marsch in Washington war das Zentrum der weltweiten Protestaktion mit mehr als 600 "Schwestermärschen" im In- und Ausland. Den Auftakt hatten Australien und Neuseeland gemacht. In London nahmen den Organisatoren zufolge 100.000 Menschen teil.

Tausende bei Demos in Deutschland

Weltweit solidarisierten sich Frauen mit den US-Protesten.
Weltweit solidarisierten sich Frauen mit den US-Protesten.(Foto: imago/ZUMA Press)

In Berlin kamen einige hundert Demonstranten vor der US-Botschaft zusammen. Der Ableger der Demokratischen Partei für im Ausland lebende US-Amerikaner (Democrats Abroad) hatte die Demonstration angemeldet, wie die Polizei mitteilte. Die Demonstrantinnen riefen "No justice, no peace" oder "I'm a feminist". Auf Plakaten standen Sprüche wie "Trump ist kein Berliner".

Den größten Protestzug gab es in Frankfurt am Main, wo mehr als 2000 Menschen durch die Innenstadt zogen. Bei dem "Women's March" demonstrierten sie für die Rechte von Frauen und Minderheiten und für gesellschaftliche Vielfalt. In München zogen rund 600 Menschen vom US-Generalkonsulat bis in die Innenstadt. In Heidelberg protestierten rund 800 Menschen für gesellschaftliche Vielfalt. Nach Angaben der Polizei verliefen alle Protestzüge friedlich.

Eine globale Bewegung

In Stockholm protestierten ebenfalls mehrere Tausend Menschen gegen Frauenfeindlichkeit. Sie hielten Plakate mit der Aufschrift "Nicht Hass, sondern Liebe macht Amerika wieder groß" oder in Anspielung auf Trumps angeblich nicht sehr großen Hände "Keine kleinen Hände an Nuklearwaffen".

In Oslo kamen Hunderte Menschen zu der Kundgebung, ebenso in Kopenhagen und Helsinki.
Auch in Paris, Prag, Amsterdam, London, Wien, Rom, Genf und anderen europäischen Städten gingen Trump-Gegner auf die Straße. Geplant waren insgesamt mehr als 670 solcher "Schwestern-Märsche". Die Organisatoren wollten mehr als zwei Millionen Menschen mobilisieren.

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Quelle: n-tv.de