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Serbische Richter verhindern Aufklärung Milosevic-Milliarden bleiben verschwunden

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Milosevic starb vor acht Jahren in der Zelle des UN-Kriegsverbrechertribunals an einem Herzinfarkt.

(Foto: dpa)

Fast eineinhalb Jahrzehnte lang wird über die Milliarden spekuliert, die die Machthaber in Serbien veruntreut haben sollen. Sie bleiben wohl endgültig verschwunden. "Amateurhafte Richter" verhindern, dass die dubiosen Geldströme gelüftet werden können.

Serbiens Machthaber Slobodan Milosevic hat während der 90er Jahre Milliardensummen ins Ausland verschoben. Mit dem spektakulären Freispruch seines wichtigsten Finanziers bleiben die wohl nun für immer verschollen. Der einstige serbische Zollchef Mihalj Kertes, der dem Präsidenten und Kriegsherrn Milosevic von 1993 bis 2000 zur Seite stand, wurde in einem spektakulären Urteil in dieser Woche wegen Verjährung seiner Taten freigesprochen.

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Kertes ist ein freier Mann.

(Foto: dpa)

"Ich bin erschüttert", sagt selbst Justizminister Nikola Selakovic der Zeitung "Blic" in Belgrad: "Die unfähigen Richter sind Schuld an den zusammengebrochenen Verfahren". Der 66-jährige Kertes war angeklagt, Dutzende Millionen Mark im Auftrag von Milosevic nach Zypern verschoben zu haben, wo sie in dunklen privaten Kanälen verschwanden. Möglicherweise hätte das Gericht bei einem Schuldspruch Geheimnisse um die dubiosen Geldströme lüften können.

Doch es kam anders. Der letzte Beteiligte an dem als "nationaler Raub" bezeichneten Milliardenexport der ehemaligen Machthaber ist aus dem juristischen Schneider. "Die Richter sind wegen ihrer Amateurhaftigkeit durchgefallen", titelt die Belgrader Zeitung "Novosti". Der Justizminister schließt sogar "Obstruktion" von Richtern und Gerichten nicht aus.

Genaue Summe ist unbekannt

Es geht um Geldverschiebungen nach Zypern, aber auch in die Schweiz, nach Luxemburg oder Deutschland. Die Summe mache umgerechnet wenigstens 3 Milliarden Mark (rund 1,5 Milliarden Euro) aus, sagte der einstige staatliche Kontrolleur und heutige Minister Velimir Ilic. Andere Fachleute nannten bis zu 20 Milliarden Mark aus allen Balkanstaaten, der größte Teil aus Serbien.

"Die Zypernmillionen sind verschwunden und niemand ist schuld", empörte sich die Zeitung "Danas". Milosevic selbst konnte die Gelder nicht mehr nutzen, weil er schon vor acht Jahren in der Zelle des UN-Kriegsverbrechertribunals an einem Herzinfarkt gestorben war.

"Kertes war der zentrale Insider", beschreibt "Danas" dessen Rolle: "Er finanzierte den Staat unter UN-Handelssanktionen, und das war die einzige Art, dass die Arbeiter ihren Lohn und die Rentner ihre Pension erhielten und dass die Kämpfer (in den Bürgerkriegen) bewaffnet wurden."

Niemand mehr angreifbar

Auf Informationen einiger anderer Insider kann die serbische Justiz nicht mehr zählen: Milosevics Topbankerin Borka Vucic war vor fünf Jahren eines natürlichen Todes gestorben. Zika Petrovic, Generaldirektor der Fluggesellschaft JAT, die das Geld über Jahre transportiert haben soll, wurde ermordet. Milosevics Ehefrau Mira und sein Sohn Marko genießen Asyl in Russland.

"Wo ist das Geld aus Zypern abgeblieben", fragte schon vor einem halben Jahr der Belgrader TV-Sender B92, ohne darauf eine Antwort zu geben. Der Chef der Steuerverwaltung nach der gewaltsamen Ablösung von Milosevic, Aleksandar Radovic, sagt klipp und klar: "Natürlich haben die serbischen Untersuchungsteams Gelder gefunden, aber es gab nicht den politischen Willen, es wieder ins Land zu holen." Der damalige Milosevic-Botschafter auf Zypern, Ivan Mrkic, ist heute unbescholten Außenminister. Damals sollen die Diplomaten "Säcke und Koffer voll Geld" mit Diplomatenpost nach Zypern gebracht haben.

Die Verschleppung des Kertes-Prozesses und am Ende die Verjährung möglicher Straftaten ist nur die Spitze des Eisberges. Das Verfahren gegen den ersten privaten Milosevic-Banker Jezdimir Vasiljevic, der Zigtausende Bürger um ihre Ersparnisse gebracht hatte, wurde nach 20 Jahren ebenfalls wegen Verjährung niedergeschlagen. Und der Prozess um Goran Kljajevic, als ehemaliger Vorsitzender des Belgrader Handelsgerichtes verantwortlich für den Kauf oder die Zerschlagung vieler prominenter Unternehmen, schleppt sich seit Jahren dahin. Kljajevic ist schon lange auf freiem Fuß.

Quelle: n-tv.de, Thomas Brey, dpa

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