Politik

Amnesty untersucht Fälle in Irland Missbrauch kommt Folter gleich

In kirchlichen Kinderheimen in Irland hatte der Missbrauch der Kinder System. Das Wissen um den Missbrauch war weit verbreitet, dennoch wurde geschwiegen. Amnesty International stuft viele der Übergriffe als systematische Folter ein.

hat in einer Untersuchung zum Kindesmissbrauch durch katholische Geistliche in Irland zahlreiche Fälle als Folter und menschenunwürdige Behandlung eingestuft. "Kinder wurden gequält und brutal behandelt, sie wurden geschlagen, mussten hungern und wurden misshandelt", sagte Colm O'Gorman von Amnesty International Irland bei der Vorstellung eines Berichts.

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Die Übergriffe hatten Methode.

(Foto: dpa)

Dies gelte unter dem Gesichtspunkt der international gültigen Menschenrechte als Folter, fügte O'Gorman, selbst ein Missbrauchsopfer, hinzu. Der Missbrauch zehntausender Kinder sei das "vielleicht größte Versagen in Menschenrechtsfragen in der Geschichte des Staates".

Gesellschaft war blind

Die Untersuchung der Menschenrechtsorganisation, die von der irischen Kinder- und Jugendministerin Frances Fitzgerald initiiert wurde, stützt sich auf mehrere in jüngster Zeit veröffentlichte Berichte zu Missbrauchsfällen in Irland. Eine gleichzeitig von Amnesty International angestrengte Umfrage ergab zudem, dass 85 Prozent der Iren auch die irische Gesellschaft in der Verantwortung für die Missbrauchsfälle sehen. "Dieser Missbrauch ist nicht deshalb geschehen, weil wir nichts davon wussten, sondern weil viele Menschen in der Gesellschaft blind gegenüber diesen Taten waren", sagte O'Gorman.

Das sehr katholische Irland war in den vergangenen Jahren wiederholt von Berichten erschüttert worden, wonach katholische Würdenträger jahrzehntelang Vergewaltigungen und Misshandlungen von Minderjährigen vertuschten. Nach der Veröffentlichung des sogenannten Cloyne-Reports im Juli über Missbrauch in der gleichnamigen südirischen Diözese räumte der Vatikan Fehler im Umgang mit den Fällen ein.

Letzte Chance für Entschädigung

Zuletzt haben noch einmal rund 3.000 Opfer von Missbrauch in staatlichen Einrichtungen Anträge auf Entschädigung eingereicht. Hintergrund ist nach einem Bericht der "Irish Times" die Entscheidung der Regierung, die Zahlungen Mitte dieses Monats einzustellen. Die neuen Forderungen gingen in den acht Wochen vor diesem Termin ein. Die zuständige Behörde hat seit ihrer Gründung im Jahr 2002 rund 18.000 Meldungen bearbeitet. Ausgezahlt wurden bislang 1,05 Milliarden Euro an Entschädigungen.

Quelle: n-tv.de, AFP

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