Politik
Amri war über Italien nach Deutschland gekommen.
Amri war über Italien nach Deutschland gekommen.(Foto: dpa)
Samstag, 07. Januar 2017

Liste der Versäumnisse wird länger: Mitbewohner warnten vor Amri

Hätten deutsche Behörden den Berlin-Attentäter Anis Amri aufhalten können? Zumindest wussten sie schon ein Jahr vor dem Anschlag, dass Amri Kontakt zum IS suchte oder bereits hatte. Das legt ein Medienbericht nahe.

Die nordrhein-westfälischen Behörden haben offenbar mindestens ein Jahr vor dem Anschlag in Berlin über mögliche Kontakte des mutmaßlichen Attentäters Amri zur Terrormiliz IS gewusst. Nach Informationen der "Neuen Ruhr Zeitung" hatten Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft in Emmerich den Tunesier im Dezember 2015 deswegen der zuständigen Ausländerbehörde gemeldet. Die Anzeige sei sofort der zuständigen Staatsschutzdienststelle NRW zugleitet worden, schreibt die Zeitung. Am 3. Dezember 2015 sei der Kreis Kleve nach eigenen Angaben "informell telefonisch darauf hingewiesen worden, dass Herr Amri im Fokus der Sicherheitsbehörden steht".

Laut einem Bericht für die Sondersitzung des NRW-Innenausschusses am Donnerstag fanden die Ermittler drei Monate später heraus, dass sich Amri "vorgeblich im Auftrag von Allah töten" und sich in Berlin mit einem unbekannten Sympathisanten des IS treffen wolle. Bereits im Oktober 2015 hatte ein Zimmernachbar Amris gemeldet, dass dieser Handy-Fotos von schwarz gekleideten Personen mit Kalaschnikow besitze. Die Polizei erstellte damals einen "Prüffall Islamismus".

Verbindungen in die Schweiz

Dem ZDF zufolge hielt sich Amri längere Zeit und möglicherweise sogar mehrfach in der Schweiz auf. Wie der Sender berichtete, werden Kontaktdaten, die nach dem Anschlag in Berlin auf Amris Handy gefunden worden waren, derzeit intensiv von den Schweizer Ermittlungsbehörden überprüft. Konkret gehe es dabei auch um die Frage, ob er sich die Tatwaffe, eine Pistole vom Typ Erma, in der Schweiz besorgt habe, wo es in einigen Städten eine rege Islamistenszene gebe. Nach bisherigem Ermittlungsstand spreche vieles dafür, sagten Ermittler dem ZDF.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass sie im Zusammenhang mit dem Anschlag in Berlin ein Strafverfahren gegen unbekannt eröffnet habe. Dieses habe zum Ziel, "allfällige Bezugspunkte zur Schweiz abzuklären", hieß es in einer weiteren Mitteilung am Freitag. Es gehe um den Verdacht auf Unterstützung oder Beteiligung an einer kriminellen Organisation, sagte der zuständige Sprecher André Marty. Außerdem stehe ein Verstoß gegen das Verbot der Mitgliedschaft in einer Terrormiliz wie dem Islamischen Staat (IS) im Raum. Details nannte der Sprecher nicht.

Schon kurz nach dem Anschlag war wegen möglicher Verbindungen Amris in die Schweiz ermittelt worden. Der 24-jährige Tunesier hatte am 19. Dezember einen Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gesteuert und zwölf Menschen getötet. Vier Tage später wurde er bei einer Polizeikontrolle in Italien erschossen.

Quelle: n-tv.de