Politik
Dienstag, 18. März 2008

Ein Toter nach Krawallen: Mitrovica unter Militärrecht

Nach den schweren Zusammenstößen mit Kosovo-Serben im Nordteil Mitrovicas hat die Nato-Schutztruppe KFOR die Stadt faktisch unter Militärrecht gestellt. Die KFOR forderte nach Angaben aus Sicherheitskreisen die serbischen Polizisten in Mitrovica auf, ihren Dienst vorübergehend auszusetzen und ihre Streifenwagen abzustellen. Damit übernahmen die französischen, belgischen und spanischen KFOR-Soldaten die alleinige Kontrolle über den von Serben bewohnten Nordteil der Stadt. Eine offizielle Erklärung der KFOR gab es dazu nicht. Die UN-Polizisten hatten sich wegen der Überfälle bereits am Vortag zurückgezogen. Ein ukrainischer UN-Polizist war bei den Gewaltakten getötet worden.

Soldaten in gepanzerten Fahrzeugen gingen an wichtigen Punkten der Stadt in Stellung. Die größte Brücke über den Fluss Ibar, der Serben und Albaner voneinander trennt, war mit Stacheldraht und umgestürzten Müllcontainern gesperrt. Er herrschte eine gespannte Atmosphäre, die dadurch unterstrichen wurde, dass die Besatzung eines gepanzerten französischen Fahrzeugs beim Anblick einer Gruppe Serben augenscheinlich in Panik geriet, eine Ampel rammte und Schockgranaten verschoss.

Der bei den Unruhen am Montag verletzte ukrainische Polizist starb nach Angaben aus UN-Kreisen an den Folgen einer durch Granatsplitter verursachten Verwundung. Auch Sicherheitskräfte aus Polen, Frankreich und der Ukraine wurden bei den Krawallen verletzt, einige schwer. Der Nato zufolge wurden die Polizisten und Soldaten mit automatischen Waffen beschossen, nachdem sie ein von Serben besetztes Gerichtsgebäude geräumt hatten.

Bei den Zusammenstößen mit aufgebrachten Serben waren 63 internationale Polizisten der UN-Kosovo-Verwaltung UNMIK verletzt worden, zehn davon schwer. Auch acht französische KFOR-Soldaten erlitten Verletzungen. Zudem wurden 70 Serben verletzt, einer davon lebensgefährlich. Die KFOR habe die Lage in der zwischen Serben und Albanern geteilten Stadt unter Kontrolle, hieß es weiter.

Die Ausschreitungen in Mitrovica waren nach der gewaltsamen Räumung eines Kreisgerichts entbrannt, das seit Freitag von Serben besetzt war. Durch die Stadt verläuft entlang des Ibar-Flusses die Grenze zum mehrheitlich von Serben bewohnten Norden des Kosovos. Schätzungsweise 50.000 Serben leben hier. Eine ähnlich große Zahl von Serben wohnt meist verstreut im übrigen Kosovo.

Quelle: n-tv.de