Politik

"Lager soll gesprengt werden" Moskau: Ukrainer planen Giftgas-Anschlag bei Charkiw

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Panzer mit dem Z-Symbol: Ukrainer untersuchen das erbeutete Kriegsgerät bei Charkiw.

(Foto: IMAGO/ZUMA Wire)

Moskau warnt vor einem angeblich bevorstehenden Chemiewaffen-Einsatz im umkämpften Osten. In einer Ortschaft nahe Charkiw wollen angeblich die Ukrainer Chlorgas zur Explosion bringen. Die Regierung in Kiew ruft Bewohner unterdessen in Luhansk und dem Donbass dringend zur Flucht auf.

Russland hat der Ukraine vorgeworfen, eine "Provokation" mit chemischen Stoffen zu planen und die Schuld dafür Moskau in die Schuhe schieben zu wollen. Ukrainische Spezialkräfte hätten ein Lager mit 120 Tonnen Chlor in der ostukrainischen Stadt Perwomajskyj vermint, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. "Dieses Lager soll gesprengt werden, um Russland zu beschuldigen, angeblich eine chemische Katastrophe herbeigeleitet zu haben, die den Tod von Anwohnern verursacht." Es handle sich um "bestätigte Informationen", sagte Konaschenkow, ohne Beweise vorzulegen. Perwomajskyj liegt im Süden von Charkiw

Russland hat der Ukraine wiederholt vorgeworfen, sogenannte False-Flag-Aktionen zu planen. Hingegen ist im Westen die Sorge groß, dass russische Truppen in der Ukraine Chemiewaffen einsetzen könnten. Konaschenkow sagte, im ostukrainischen Gebiet Charkiw hätten russische Streitkräfte "mit hochpräzisen" Raketen ein Treibstofflager der Ukrainer angegriffen. Zudem seien in der Gegend an einem Bahnhof militärische Ausrüstung sowie Waffen zerstört worden. Nach ukrainischen Angaben waren das Gebiet Charkiw und die gleichnamige Millionenstadt in der Nacht zum Mittwoch Ziel zahlreicher russischer Angriffe.

Im ostukrainischen Gebiet Donezk seien ein Kommandoposten der ukrainischen Armee sowie eine Basis der "Nationalisten" bei Nowohrodiwka Ziel der russischen Angriffe gewesen, sagte Konaschenkow. Russland bezeichnet die ukrainischen Einheiten überwiegend als "Nationalisten" und "Neonazis". Viele Experten sehen darin einen Vorwand für den Angriff, den Kremlchef Wladimir Putin auch mit einer "Entnazifizierung" der Ukraine begründet hatte.

Kiew warnt Zivilisten im Osten: "Allen droht der Tod"

Aus Angst vor einer neuen russischen Offensive in der Ostukraine rief die Regierung in Kiew Menschen in den Gebieten Luhansk, Donezk und Charkiw dringend zur Flucht auf. "Bringen Sie sich in Sicherheit, solange es diese Möglichkeit noch gibt", sagte die ukrainische Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk Medienberichten zufolge. "Das muss jetzt sein, denn später werden die Leute beschossen und ihnen droht der Tod. Sie können dann nichts mehr dagegen tun, und wir werden ihnen nicht helfen können."

Der Leiter der Regionalverwaltung des Gebietes Luhansk, Serhij Hajdaj, sagte in einer Videobotschaft, Russland ziehe derzeit weiter Streitkräfte in der Region zusammen. Er rechne mit dem Versuch größerer Angriffe in den nächsten drei bis vier Tagen. Russland führt seit dem 24. Februar Krieg gegen das Nachbarland Ukraine. In der vergangenen Woche kündigte Moskau an, die Angriffe auf Kiew deutlich reduzieren zu wollen, sich aber stattdessen auf den Donbass zu konzentrieren.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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