Politik

Ägypten verharrt im Lagerkampf Muslimbrüder strömen auf die Straßen

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Die Muslimbrüder stehen für neue Proteste in den Startlöchern.

(Foto: REUTERS)

Täglich wird in Ägypten demonstriert. Die Muslimbruderschaft drängt nach dem Sturz von Präsident Mursi zurück an die Macht. Sie mobilisiert erneut ihre Anhänger - und wieder droht ein blutiges Zusammentreffen mit den Gegnern der Islamisten.

Ägypten bereitet sich auf erneute landesweite Demonstrationen vor. Die islamistische Muslimbruderschaft mobilisiert ihre Anhänger insbesondere in Kairo, wo vor einer Moschee im Stadtteil Nasr City weiterhin Hunderte Islamisten campieren. Sie fordern, dass der gestürzte Präsident Mohammed Mursi wieder in sein Amt eingesetzt wird. Er steht den Muslimbrüdern nahe.

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Die Muslimbrüder fordern, dass der gestürzte Präsident Mursi wieder sein Amt ausüben darf.

(Foto: REUTERS)

Auch Gegner der Islamisten wollten sich erneut auf dem zentralen Tahrir-Platz versammeln. Sie treten dafür ein, dass der Fahrplan hin zu demokratischen Wahlen rasch umgesetzt wird. Erste Demonstranten strömten in die Innenstadt. Aktivisten durchsuchten an den Zugangsstraßen die Taschen der Ankommenden, damit sich nur Gleichgesinnte unter die Leute mischen. Ihren Höhepunkt dürften die Proteste aber erst am Abend, nach dem Fastenbrechen, erreichen. Derzeit feiern Muslime den Fastenmonat Ramadan.

Ägyptens Übergangspräsident Adli Mansur hatte die verfeindeten politischen Lager zuletzt zur Aussöhnung aufgerufen. "Es gibt jene, die das Land ins Chaos stürzen wollen", sagte Mansur in einer Fernsehansprache. "Aber es wird keinen Weg zurück geben." Es müsse Gerechtigkeit und Versöhnung ausnahmslos für jeden im Land geben, so Mansur. Er versprach überdies die innere Sicherheit wieder herzustellen.

Seit dem Sturz Mursis durch das Militär ist es in Ägypten immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Dutzenden Toten gekommen. Die Muslimbruderschaft, aus der Mursi kommt, verlangt auch die Freilassung des gewählten Präsidenten und seine Rückkehr an die Macht.

Muslimbrüder wollen Protest-Flamme lodern lassen

Auch die Jugendbewegung Tamarud, was übersetzt Rebellion bedeutet, rief zu einer Kundgebung auf dem Tahrir-Platz in Kairo auf. Sie hatte im Juni jene Massenproteste gegen die Herrschaft Mursis organisiert, die für das Militär den Ausschlag gaben, den Islamisten zu stürzen.

Die Armeeführung rief alle Bürger des Landes ausdrücklich dazu auf, auf jede Gewalt zu verzichten. "Wer auch immer zu Gewalt greift und von der Friedfertigkeit abweicht, bringt sein Leben in Gefahr", hieß es in dem Appell. Die Warnung enthielt keine Hinweise auf konkrete Gruppen oder Schauplätze.

Tatsächlich versucht die Muslimbruderschaft verbissen, die Dynamik der Proteste gegen die Absetzung Mursis durch das Militär am Leben zu erhalten. Das Zeltlager in der östlichen Vorstadt Nasr City soll eine permanente Reserve von mehreren Tausend Demonstranten sicherstellen. An bestimmten Tagen, darunter stets der Freitag, ruft die Führung der islamistischen Organisation zur "Eskalation" auf. Freitags sind wegen des traditionellen muslimischen Freitagsgebets immer besonders viele Menschen unterwegs.

Quelle: n-tv.de, dpa

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