Politik

"Du musst uns zuerst töten" Muslime schützten Touristen vor Terroristen

Ein islamistischer Attentäter schießt am Strand gezielt auf Touristen und tötet 38 Menschen. Muslimische Hotelangestellte beweisen Courage - und schützen ihre Gäste vor dem Terroristen. Derweil glauben Ermittler, dass der Mann nicht allein handelte.

Angestellte eines Hotels im tunesischen Sousse haben offenbar heroischen Einsatz gezeigt, um ihre Gäste vor dem Terroristen zu bewahren, der am Freitag Dutzende Menschen kaltblütig erschossen hat. Wie Augenzeugen berichten, hätten muslimische Angestellte des Hotels "Bellevue" am Strand ein menschliches Schild um einige Touristen gebildet, um sie vor dem Todesschützen abzuschirmen. Das berichtete die britische Zeitung "Daily Mail". "Du musst uns zuerst töten", hätten sie dem Attentäter zugerufen. "Du musst an uns vorbei, aber wir sind Muslime." Der Terrorist hatte offenbar deutlich erklärt, er habe es auf westliche Touristen abgesehen.

cegrab-20150627-164959-168-1-762x428.jpg

Im Hintergrund ist zu sehen, wie die Hotelangestellten eine Menschenkette bilden.

(Foto: twitter.com/SkyNews)

Ein Sprecher des tunesischen Innenministeriums sagte der BBC, man gehe inzwischen davon aus, dass der Attentäter nicht alleine gehandelt hat. Man sei sicher, dass er Komplizen gehabt habe. Die "Bild"-Zeitung berichtet unter Berufung auf Augenzeugen, mehrere Männer seien in einem Schlauchboot zum Strand gefahren. Dann seien der mutmaßliche Attentäter und zwei Unbekannte ausgestiegen.

Der Attentäter hatte am Strand in Port El Kantaoui nahe Sousse 38 Menschen getötet und 39 weitere verletzt. Die meisten Opfer kamen aus Großbritannien - Medienberichten zufolge starben mehr als 30 Briten bei der Attacke. Nach bisherigen Erkenntnissen handelte es sich bei dem Täter um einen 24-jährigen Studenten der Universität in Kairouan, einer Hochburg von Salafisten. Zu dem Anschlag bekannten sich die Islamisten des IS.

Großbritannien fliegt Opfer aus

Derweil hat die britische Luftwaffe eine Militärmaschine losgeschickt, um die Toten und Verletzten nach dem Anschlag auszufliegen. Wie Premierminister David Cameron dem britischen Sender BBC sagte, solle die Maschine bei der "Evakuierung der Opfer" helfen.

Cameron sagte weiter, es gebe IS-Anhänger im Irak und in Syrien, die in Großbritannien und anderswo schreckliche Taten verüben wollten. In Großbritannien gilt die zweithöchste Terrorwarnstufe. Es wird davon ausgegangen, dass ein Anschlag höchstwahrscheinlich ist. Die Polizei des Landes hat nach eigenen Angaben den größten Anti-Terror-Einsatz seit einem Jahrzehnt gestartet. "Es handelt sich um eine existenzielle Bedrohung, denn was hier geschieht, ist die Perversion einer großen Religion", sagte Cameron dem Sender BBC. Der erschaffene "giftige Todeskult" verführe zu viele junge Köpfe. So lange der IS im Irak und in Syrien existiere, würden Briten bedroht sein.

Quelle: n-tv.de, fma/dpa/rts/AFP

Mehr zum Thema