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US-Drohnen im Anti-Terrorkampf NSA liefert Daten zur Tötung von Zivilisten

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In Afghanistan setzen die US-Truppen auch Drohnen vom Typ Predator ein.

(Foto: REUTERS)

US-Drohnen in Pakistan, Jemen und Somalia sollen bereits Hunderte Zivilisten getötet haben, weil sich CIA und US-Armee auf die Metadaten der NSA verlassen. Manchmal reicht eine falsche Sim-Karte im Handy. Talibanführer kontern die Todesmaschinen der US-Streitkräfte mit Verwirrungstaktiken.

Die Mechanisierung des Anti-Terror-Kampfes der USA ist offenbar noch weiter fortgeschritten als angenommen. Drohnen töteten Menschen mitunter nur auf Basis von Metadaten der National Security Agency, schreibt "The Intercept". Demnach kommen durch die unbemannten, bewaffneten Flugkörper auch immer wieder Unschuldige ums Leben. Häufig werde kein Agent oder Informant am Boden zur Prüfung der ermittelten Ziele im Einsatzgebiet hinzugezogen, heißt es. Dies werde sowohl von Ex-Mitarbeitern der US-Einsatzkräfte als auch von den NSA-Dokumenten von Edward Snowden bestätigt.

Das Magazin "The Intercept" wird von Ebay-Gründer Pierre Omidyar finanziert und ist Teil seines neuen "First Look"-Medienunternehmens. Redaktionelle Mitarbeiter sind unter anderen Glenn Greenwald, der Zugang zu den NSA-Dokumenten des Whistleblowers Snowden hat, die Filmemacherin Laura Poitras sowie der Journalist Jeremy Scahill.

"The Intercept" zufolge werden Ziele unter anderem über die Verfolgung einer Sim-Karte identifiziert und dann basierend auf ihren Aktivitäten und Aufenthaltsort von der Central Intelligence Agency oder der US-Armee zur Tötung markiert. Diese Vorgehensweise werde mindestens im Jemen, Somalia, Pakistan und Afghanistan angewendet, wie Ex-Mitarbeiter der US-Drohnen-Spezialeinsatzkräfte sagten. In Afghanistan etwa werde der Großteil der Ziele über die NSA-Telefonverfolgung "Sigint" festgelegt, obwohl es dort vergleichsweise viele menschliche Mitarbeiter vor Ort gebe.

Zehnmal höheres Risiko

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Proteste gegen Drohnenangriffe im pakistanischen Peshawar im Jahr 2011.

(Foto: REUTERS)

Unter der Regierung von US-Präsident Barack Obama wurden von US-Drohnen mehr als 2400 Personen getötet, davon 273 Unschuldige in Pakistan, Jemen und Somalia, heißt es in einer unabhängigen Schätzung. Ein US-Militärberater sei in einer Studie zu dem Schluss gekommen, das Risiko, dass Zivilisten bei Angriffen zu Tode kommen, sei bei Drohnen zehnmal höher als bei bemannten Luftschlägen. Die NSA äußerte sich gegenüber "The Intercept" nicht zur Zielerfassung.

Einem der Ex-Mitarbeiter zufolge töteten die unbemannten Fluggeräte zwar Terroristen, die Sprengstoffanschläge auf US-Truppen verüben wollten, aber dabei zusätzlich auch Zivilisten. Grund sei, dass sich das Drohnen-Kommando immer mehr auf die Überwachung der National Security Agency verlasse, sagte er. Manche Zielpersonen seien sehr vorsichtig und benutzten bis zu 16 verschiedene Sim-Karten. Andere hingegen wüssten nicht von der Vorgehensweise der USA und verliehen ihre Telefone inklusive der verfolgten Karte an Angehörige und Freunde - die dann von den Drohnen fälschlicherweise getötet würden. Einer der Informanten berichtet zudem von mehreren Fällen, in denen Unbeteiligte in der Nähe des eigentlichen Ziels ums Leben kamen.

Taliban mischen Sim-Karten

Anführer der Taliban verwischen auch ihre Spuren: "Sie gehen zu Gruppentreffen, nehmen alle ihre Sim-Karten heraus, stecken sie in eine Tüte, mischen sie - und jeder bekommt eine andere Karte, wenn sie wieder gehen", wird er zitiert. "So verwirren sie uns." Auch so kämen dann Personen ums Leben, die gar nicht auf der Abschussliste der USA als "ungesetzliche feindliche Kämpfer" stehen. Die USA bezeichnen so Personen, die an einem Konflikt beteiligt sind und zusätzlich gegen das Kriegsrecht verstoßen.

Das Problem sei einem Ex-Mitarbeiter zufolge, dass die US-Einsatzkräfte nicht auf Basis von Inhalten über einen Abschuss entscheiden, sondern über die Aktivität einer Sim-Karte: "Wir schießen nicht auf Leute, wir schießen auf ihre Telefone, in der Hoffnung, dass die Person am anderen Ende dieser Rakete der Böse ist."

Obama gibt Tötungen frei

Präsident Barack Obama hatte in der Vergangenheit versichert, dass die Abschussoperationen mit größter Präzision stattfinden. "Bevor ein Schlag durchgeführt wird, muss es eine an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit geben, dass keine Zivilisten getötet oder verletzt werden - der höchste Standard, den wir anwenden können", hatte Obama im Mai 2013 an der National Defense University gesagt. Die zunehmende Verwendung von Verbindungsdaten der NSA lasse jedoch das Gegenteil vermuten, schreiben Greenwald und Co-Autor Jeremy Scahill nun.

Zielpersonen von Drohnen-Angriffen werden von US-Präsident Obama zur Tötung freigeben. Die Erlaubnis gilt für 60 Tage und muss danach erneuert werden. "Kommandeure befehlen einen Angriff dadurch eher, wenn sie die Möglichkeit haben, auch wenn dabei Zivilisten ums Leben kommen könnten - denn die Gelegenheit könnte nie wiederkommen", wird einer der Ex-Mitarbeiter zitiert.

Quelle: n-tv.de

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