Politik

"Das ist Thüringen" wird gestoppt Nazi-Terror schadet Deutschland

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Bis Sommer 2012 wird die Kampagne eingefroren.

Die mutmaßlich von Neonazis begangene Mordserie ist nach Auffassung von Wirtschaftsforschern schädlich für das Ansehen Deutschlands im Ausland. Gerade dringend benötigte Fachkräfte würden vermutlich eher einen Bogen um den Wirtschaftsstandort Deutschland machen. Das Land Thüringen stoppt derweil aus Furcht vor einem Imageschaden seine Kampagne "Das ist Thüringen".

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Das Ausland blickt nach dem Neonazi-Terror noch genauer auf Deutschland.

(Foto: dpa)

Nach der Aufdeckung der Zwickauer Neonazi-Zelle gehen Wirtschaftsforscher von einem immensen Schaden für Deutschland auch im Ausland aus. Die Mordserie sei image- und rufschädigend für den Wirtschaftsstandort Deutschland, sagte der Wirtschaftsforscher Thomas Straubhaar. Gerade der um Fachkräfte werbende Wirtschaftsstandort könne sich nicht leisten, dass Deutschland von potenziellen Zuwanderern jetzt kritischer gesehen werde, sagte der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Thüringen setzt Werbung aus

Das Land Thüringen stoppt vorübergehend seine jüngste Imagekampagne und will in diesem Jahr keine Anzeigen mehr schalten. Die jetzt bekannten Taten Thüringer Neonazis bedeuteten einen "schweren Imageschaden für das Land", sagte der für die Kampagne zuständige Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) der "Thüringer Allgemeinen". Die Fortführung der Standortkampagne unter dem Motto "Das ist Thüringen" würde derzeit eher "kontraproduktiv" wirken. Die Kampagne war erst im Sommer gestartet.

Politik und Sicherheitsbehörden müssten jetzt deutlich dem Eindruck entgegen treten, sie seien auf dem rechten Auge blind, betonte Straubhaar. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe unmissverständlich klar gemacht, dass sie persönlich alles daran setze, damit die Fälle geklärt werden. Es sei gut, dass dies unisono alle Parteien unterstützt hätten.

Friedrich: Nicht "blind auf dem rechten Auge"

Trotz der Politiker auf Liste der Neonazis beim Verfassungsschutz wies Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) Vorwürfe zurück, der Staat sei auf dem rechten Auge blind gewesen. "Nein, ich glaube, das kann man nicht sagen. Wir haben sehr genau die rechtsextremistische Szene auch beobachtet", sagte er der ARD. "Aber ich gebe zu, man konnte sich bis vor wenigen Tagen nicht vorstellen, dass es tatsächlich terroristische Organisationen geben könnte oder Zellen geben könnte, die mordend durchs Land laufen."

Er bekräftigte seinen Vorschlag, künftig eine Verbunddatei gegen rechtsextremistische Gewalttäter und eine Art Terrorabwehrzentrum einzurichten, in das Länder wie Bundesbehörden ihre Informationen einspeisen.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa/AFP

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