Politik

Rechtsextremistische Aufmärsche Neonazis in Jena und Ennepetal

Gut 200 Neonazis haben am Samstag in Thüringen und Nordrhein-Westfalen demonstriert. Im thüringischen Jena versammelten sich etwa 150 Anhänger der rechtsextremen NPD; im nordrhein-westfälischen Ennepetal liefen gut 60 Neonazis unter dem Motto "Nationaler Ostermarsch - Für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit" durch die Stadt.

In Jena kamen bei einer Gegendemonstration etwa 250 Menschen aus dem linken Spektrum zusammen. Tausende protestierten gleichzeitig mit einem Volksfest gegen den Neonazi-Aufmarsch. Das Fest stand unter dem Motto "Bunte Vielfalt gegen braune Einfalt!" Zu den von einem breiten Bündnis organisierten Veranstaltungen gehörten ein Friedensgebet in der Stadtkirche, Musik, Tanz und eine Bücherauktion.

Der Neonazi-Aufmarsch in Jena war am Donnerstag vom Verwaltungsgericht Gera genehmigt worden. Dieses hatte ein Kundgebungsverbot der Jenaer Stadtverwaltung aufgehoben, aber strenge Auflagen erteilt und unter anderem den Zug durch das Stadtzentrum verboten. Ein Großaufgebot von Polizisten aus mehreren Bundesländern hielt die NPD-Anhänger und die Gegendemonstranten auseinander.

Aus der linken Protestkundgebung wurden nach Angaben der Polizei Steine auf die Neonazis geworfen. Verletzt wurde niemand. Sechs Menschen wurden vorläufig festgenommen, darunter zwei Rechtsextremisten, die mit Messern erwischt wurden.

Rollläden runter in Ennepetal

Durch Ennepetal zogen nach Polizeiangaben 62 Rechtsextremisten. Aus Protest gegen die Veranstaltung schlossen viele Bürger entlang der Demonstrationsstrecke ihre Rolläden und hängten schwarze Fahnen auf. Nach Beendigung des Aufmarsches wurde die Wegstrecke symbolisch von Landrat, Bürgermeister und anderen Persönlichkeiten gesäubert.

Die Polizei war nach eigenen Angaben mit 1.000 Beamten vor Ort. Für den Abend haben Kirchen und Parteien der 35.000-Einwohner-Stadt zu einem Gottesdienst und einer anschließenden Kundgebung aufgerufen, um gegen die Rechtsradikalen zu demonstrieren. Landrat Volker Stein sagte: "Wir wollten nicht während der Demonstration protestieren, sondern am Abend. Sonst hätte es möglicherweise direkte Konfrontationen zwischen der Bevölkerung und den Demonstranten gegeben."

Das Bundesverfassungsgericht hatte das polizeilich verhängte Verbot des Aufmarsches am Donnerstagabend im Eilverfahren aufgehoben; auch eine für Montag geplante Neonazi-Kundgebung in Hagen darf danach stattfinden.

Quelle: ntv.de