Politik

Google-Map zu Flüchtlingsheimen Netz diskutiert über #BrauneKarte

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Jeder Pin eine Flüchtlingsunterkunft. Durch die exakten Adressangaben hätten es Attentäter leicht, solche Häuser gezielt anzugreifen.

(Foto: Screenshot/Google.com)

"Kein Asylantenheim in meiner Nachbarschaft" fordern Neonazis im Netz und liefern gleich eine Google-Karte dazu. Das empört viele, die mit Flüchtlingen kein Problem haben. Sie rufen zu einer Schutzaktion auf und sehen auch eine Verantwortung bei Google.

Eine umstrittene Google-Karte bewegt die Gemüter in den sozialen Netzwerken. Auf der mit dem Dienst My Maps erstellten Karte sind Hunderte Asylbewerberheime in Deutschland verzeichnet. Aktivisten sehen in der Landkarte eine Plattform für Fremdenhass. Denn erstellt wurde sie von der rechten Gruppierung "Der dritte Weg". Titel der Karte: "Kein Asylantenheim in meiner Nachbarschaft".

Jeder einzelne Google-typische Pin steht für eine Flüchtlingsunterkunft. Und nach dem Geschmack der Initiatoren sollen es noch mehr werden. Sie fordern die Nutzer auf, weitere Asylbewerberheime einzutragen: mit Ort, Straße und Hausnummer. Erwünscht sind auch Bemerkungen wie "Gemeinschaftsunterkunft für 200 Asylanten".

Die Partei "Der dritte Weg" gibt es zwar erst seit eineinhalb Jahren, dennoch gilt sie als die wichtigste Neonazi-Organisation in Bayern. Vor diesem Hintergrund haben Blogger und Nutzer der sozialen Netzwerke Google aufgefordert, die "Braune Karte" zu löschen. Auf der Facebook-Seite der Partei machen sich die Befürworter wiederum über diese Kritik lustig. "Das ist doch lächerlich", schreibt jemand. "Schließlich ist doch eh bekannt, wo die Heime stehen."

Ein Internetnutzer kam durch den Wirbel um die #BrauneKarte auf die Idee, den Spieß umzudrehen. Er erstellte eine identische Karte bei Google, nannte sie aber "Helft mit! Menschen in Not!" Die Solidaritätsaktion ist allerdings nicht unumstritten. Bei Twitter schrieb eine Userin: "Dinge, die man löschen möchte, medial zu verteilen, damit viele Leute sie melden, halte ich für etwas kontraproduktiv." Ein anderer schreibt: "war ja klar. aus der #braunekarte wird die #rotekarte. die kartoffeln lieben halt listen! BITTE BEIDE LÖSCHEN!!!"

Google prüft die Karte

Google überprüft nun, ob die Karte gegen die Richtlinien verstößt, also fremdenfeindlich ist. Tatsächlich ist die Sachlage nicht ganz eindeutig. Zwar deutet der Name der Initiative "Kein Asylantenheim in meiner Nachbarschaft" auf Fremdenhass hin. Doch in der Legende der Karte steht scheinbar relativierend: "Wir bejahen den grundsätzlichen Anspruch auf Asyl, lehnen aber Asylmissbrauch kategorisch ab."

Immer wieder war es in den vergangenen Monaten zu Angriffen auf Flüchtlingsheime gekommen. Erst am Donnerstag brannte eine Flüchtlingsunterkunft in Oberbayern, am vergangenen Wochenende beschossen Unbekannte ein Asylbewerberheim in Böhlen bei Leipzig. Laut "Tagesschau" hat es im vergangenen Jahr 162 rechtsextrem motivierte Angriffe auf Flüchtlingsheime gegeben. Das sind fast dreimal so viele wie 2013.

Quelle: ntv.de, kpi/nsc