Politik

Angst vor dem Iran-Angriff Obama hält Israel zurück

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Luftbetankung als Voraussetzung für einen Angriff aus großer Distanz: Kampfjets vom Typ F-15i der israelischen Luftwaffe.

(Foto: Reuters)

Im Streit um das iranische Atomprogramm steuern die Konfliktparteien weiter einer militärischen Eskalation entgegen: Washington versucht angeblich auf höchster Ebene, Israel von einem Präventivschlag gegen den Iran abzuhalten. Saudi-Arabien gibt unterdessen grünes Licht für das geplante Öl-Embargo.

In den USA wächst die Sorge vor einem möglichen Überraschungsangriff Israels gegen den Iran: Vor diesem Hintergrund hätten Präsident Barack Obama, Verteidigungsminister Leon Panetta und andere hochrangige Regierungsvertreter die israelische Führung eindringlich vor den Folgen eines Militärschlags gewarnt, berichtete das "Wall Street Journal".

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Auf dem ins Weiße Haus: US-Präsident Obama muss unüberlegte Handlungen auf beiden Seiten fürchten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Israel sieht sich durch den Iran massiv bedroht. Die internationale Staatengemeinschaft wirft Teheran vor, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms den Bau von Atombomben anzustreben. Nach dem Atomwissenschaftler getötet aus dem Umfeld des Atomprogramms hatte Teheran zuletzt schwere Vorwürfe gegen Israel erhoben.

Washington belässt es mittlerweile nicht mehr nur bei Warnung: Die USA ergriffen bereits Maßnahmen, um ihre Einrichtungen im Nahen Osten im Falle einer militärischen Eskalation zu schützen, schrieb die Zeitung weiter. In Israel, das sich insbesondere durch die Iran probt Raketenangriff und die aggressive Rhetorik Teherans akut gefährdet sieht, läuft seit Monaten eine Debatte über das Für und Wider einer Militäraktion gegen atomare Einrichtungen in dem islamischen Staat.

Unterdessen betonte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, die Sanktionen gegen den Iran zeigten bereits Wirkung. Die Führung in Teheran werde angesichts des internationalen Drucks "schwankend", sagte er israelischen Medienberichten zufolge. Eine Kombination aus wirtschaftlichen Sanktionen und militärischen Drohungen könne den Iran noch stoppen, meinte der Regierungschef.

Iranische Waffen für Syrien?

Diese Aussagen könnten als Hinweis gewertet werden, dass sich Netanjahu noch auf US-Linie befindet. Washington setze darauf, den Sanktionen Zeit zu lassen, schrieb das "Wall Street Journal". Aber auch die USA haben wiederholt gewarnt, alle Optionen einschließlich militärischer Aktionen gegen den Iran lägen "auf dem Tisch".

Abseits des Atomstreits werfen die USA dem Iran weiterhin die Beobachter spricht von "Farce" vor. Die US-Regierung gehe davon aus, dass Teheran Syriens Staatschef Baschar al-Assad mit Kriegsgerät unterstütze, sagten hohe Beamte in Washington. Als Beleg nannten sie einen Besuch des Befehlshabers des Korps der iranischen Revolutionsgarden, Generalmajor Kasem Soleimani, im Januar in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Bei seinem Besuch sei Soleimani "mit Sicherheit" von den wichtigsten Vertretern der syrischen Führung und auch von Assad selbst empfangen worden.

Obama telefoniert mit Erdogan

In Syrien finden seit Mitte März Massenproteste gegen Assad statt, denen die Sicherheitskräfte mit Gewalt begegnen. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden in dem Land seither mehr als 5000 Menschen getötet. Mit dem Iran liegen die USA und ihre westlichen Verbündeten insbesondere wegen des umstrittenen Atomprogramms im Streit. Wegen neuer Wirtschaftssanktionen drohte Teheran zuletzt, die für Öllieferungen wichtige Seestraße von Hormus am Persischen Golf zu sperren. Die USA warnten daraufhin ausdrücklich vor einer drohenden militärischen Eskalation. Zuletzt hatten die USA USA rüsten vor Irans Küste auf .

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Läuft längst ein Krieg der Geheimdienste? Wer trägt dann die Verantwortung für den Tod von Mostafa Ahmadi Roshan?

(Foto: dpa)

Abgesehen von den laufenden militärischen Vorkehrungen bemühen sich die USA um eine verstärkte außenpolitische Isolation des Iran. In einem Telefongespräch habe sich US-Präsident Barack Obama dazu mit dem türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan über die Lage in Syrien und im Iran ausgetauscht, teilte das Weiße Haus mit.

Beide Politiker seien sich einig gewesen, "die legitimen Forderungen des syrischen Volks nach Demokratie zu unterstützen", hieß es in einer Mitteilung. Zudem verurteilten Obama und Erdogan "das brutale Vorgehen von Assads Regime". Zum Iran hieß es lediglich, über das Thema sei gesprochen worden. Zudem hätten Obama und Erdogan auch die Lage im Nahen Osten und in Nordafrika diskutiert.

Saudis wollen die Iran-Lücke füllen

Die Kriegsdrohungen am Golf konfrontieren die Rohstoffmärkte unterdessen mit schwer überschaubaren Unwägbarkeiten: Der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien ist eigenen Angaben zufolge im Fall eines Iran-Embargos zu einer Aufstockung seiner Fördermengen bereit. Das Land fühle sich immer verpflichtet, die Nachfrage zu befriedigen, sagte Ölminister Ali Al-Naimi auf die Frage, ob Saudi-Arabien die Iran-Lücke füllen könne. "Was immer der Kunde wünscht", betonte Al-Naimi vielsagend.

Saudi-Arabien fördert derzeit knapp unter der Rekordmenge von zehn Mio. Barrel täglich. Theoretisch sollte das Land in der Lage sein, auf bis zu 12,5 Mio. Barrel zu erhöhen. Einige Analysten bezweifeln jedoch, dass das Königreich dazu imstande ist. Ein Barrel entspricht einem Volumen von etwa 159 Liter.

Um den Iran im Atomstreit zum Einlenken zu bewegen, planen EU-Staaten ein Ölembargo. Der weltweit fünftgrößte Erdölexporteur kündigte an, in einem solchen Fall die zu blockieren, durch die unterschiedlichen Angaben zufolge ein Fünftel bis etwa ein Drittel des weltweit verschifften Erdöls transportiert wird.

Rohstoffmärkte in Sorge

Kurz vor dem Wochenende hatte der Ölpreis seine Abwärtsbewegung an den Märkten fortgesetzt. An der New Yorker Rohstoffbörse Nymex fiel der nächstfällige Februar-Kontrakt auf ein Barrel Leichtöl der Sorte WTI um 0,4 Prozent oder 0,40 US-Dollar auf 98,70 US-Dollar. An der ICE fiel Brentöl zur Lieferung im Februar um 0,7 Prozent oder 0,76 Dollar auf 110,50 Dollar.

Bereits am Vortag hatte der Ölpreis deutlich nachgegeben, nachdem über eine Verschiebung des iranischen Ölembargos durch die EU um einige Monate berichtet wurde. Hinzu kam ein gegenüber dem Euro stark zulegender Dollar, was den Ölpreis in der US-Währung unter Druck brachte. Grund für die Schwäche des Euro waren in erster Linie die aufkommenden Anzeichen für Herabstufung mehrerer Euro-Staaten durch die Ratingagentur S&P. Die Entscheidung hatte die Devisenkurse - und hier insbesondere das Verhältnis zwischen Euro und Dollar - deutlich beeinflusst.

Quelle: n-tv.de, DJ/dpa/rts

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