Politik

Milliarden für neue Reaktoren Obama setzt auf Atomkraft

Mit mehr als acht Milliarden Dollar ermöglicht US-Präsident Obama den Bau zwei neuer Atomkraftwerke. Obama will mit diesem Zugeständnis offenbar die Zustimmung zu seinen Klimaschutzzielen erkaufen.

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US-Präsident Obama will mit den Milliarden für die Atomkraft die Klimafront entschärfen.

(Foto: dpa)

Erstmals seit fast 30 Jahren wollen die USA wieder Atomreaktoren bauen. Präsident Barack Obama sagte Garantien für Kredite über acht Milliarden Dollar (5,8 Mrd Euro) zum Bau zweier Reaktoren in einem bereits existierenden Kraftwerk in Burke im Bundesstaat Georgia zu. "Das ist erst der Anfang", erklärte Obama während eines Besuchs bei der Gewerkschaft der Elektriker in Lanham.

In den kommenden Jahren werde seine Regierung die staatlichen Kreditgarantien "für moderne nukleare Kraftwerke" auf 54 Milliarden Dollar verdreifachen. "Eine neue Generation sicherer, sauberer Atomkraftwerke in Amerika" sei wichtiger Bestandteil seiner Reform der Umwelt- und Energiepolitik.

Obama sieht in der nuklearen Energie eine von mehreren Alternativen zu umweltschädlichen fossilen Brennstoffen. "Atomkraft bleibt für uns die größte Energiequelle, durch die keine Treibhausgase entstehen", sagte Obama. "Um unseren Energiebedarf zu decken und die schlimmsten Auswüchse des Klimawandels zu verhindern, müssen wir die Atomkraft ausbauen - so einfach ist das."

Entgegenkommen für Klimaschutz

Bislang gewinnen die USA etwa ein Fünftel ihrer Energie aus Atomkraft. Obama will die Nutzung von "sauberer" Energie, wie Wind- und Sonnenkraft, aber auch modernen Kohletechnologien und Atomkraft in den nächsten Jahren verdoppeln und damit rund 700.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Im Senat hängt derzeit sein Klimaschutzgesetz fest, mit dem er neben der Reduzierung von Treibhausgasen auch einen Handel mit Emissionsrechten nach europäischem Vorbild einführen will. Mit den Milliarden für die Atomindustrie will Obama den Kongress offenbar für seine Klimaschutzpläne gewinnen.

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Dampf und Problemmüll statt Kohlendioxid: Kraftwerk Limerick in Pottstown, Pennsylvania.

(Foto: REUTERS)

Der "Sierra Club" - die älteste und größte Naturschutzorganisation der USA - kritisierte Obamas Pläne zum Ausbau der Kernenergie. "Um den Kohlendioxidausstoß zu verringern, müssen wir den saubersten, billigsten, schnellsten und sichersten Wegen Vorrang einräumen", so die Organisation in einer Erklärung. "Atomkraft ist weder sauber noch billig, schnell oder sicher." Der "Sierra Club" warnte vor einer Verschwendung von Steuergeldern. Die zugesagten Kreditgarantien für das Atomkraftwerk in Georgia reichten nicht einmal, um die Hälfte der Gelder für den Bau der Reaktoren zu decken.

Wende nach Harrisburg

Der US-Präsident hatte vor zwei Wochen eine neue geschaffene Kommission damit beauftragt, binnen zwei Jahren Vorschläge für einen besseren Umgang mit Nuklearabfällen zu erarbeiten. Ende Januar hatte er sich in seiner Rede zur Lage der Nation überraschend deutlich für Nuklearenergie ausgesprochen und betont, Atomstrom und die Erschließung von Ölvorkommen vor der US-Küste sollten Teil eines umfassenden Energiegesetzes sein. Obama hatte Atomenergie in der Vergangenheit nie komplett abgelehnt, aber wegen des Entsorgungsproblems erhebliche Vorbehalte geäußert.

Weltweit gibt es nach Angaben der Atomwirtschaft mehr als 430 Reaktoren, davon allein mehr als 100 in den USA. Auslöser für die Abkehr von der Atomkraft in den Vereinigten Staaten war der Nuklearunfall im Atomkraftwerk von Harrisburg vor 30 Jahren, dem schwersten in der amerikanischen Geschichte.

Quelle: ntv.de, dpa/rts

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