Politik

Blitzbesuch in Afghanistan Obama sieht Sieg "in Reichweite"

Vor genau einem Jahr tötet ein US-Sonderkommando den Terrorchef Bin Laden. Nun feiert US-Präsident Obama bei einem Blitzbesuch noch einmal diesen Erfolg. Mit Präsident Karsai unterzeichnet er ein Partnerschaftsabkommen und plädiert für Gespräche mit den Taliban. Diese töten indessen in Kabul mehrere Menschen.

Pünktlich zum Jahrestag der Tötung des Terroristenchefs Osama bin Laden hat US-Präsident Barack Obama bei einem Blitzbesuch in Afghanistan die Erfolge im Kampf gegen das Terrornetzwerk gefeiert.  Der Sieg über "Al-Kaida hat sich ad absurdum geführt" sei "in Reichweite", sagte Obama auf dem US-Stützpunkt Bagram nahe Kabul. Von dort war am 2. Mai 2011 jene US-Eliteeinheit gestartet, die bin Laden in seinem Versteck in Pakistan erschossen hatte. "Wir haben die Führung von Al-Kaida niedergeschmettert", sagte Obama in seiner Rede, die live im US-Fernsehen zur besten Sendezeit übertragen wurde. Obama war unter größter Geheimhaltung zum dritten Besuch seit seinem Amtsantritt im Januar 2009 an den Hindukusch gekommen.

Mit der Reise ruft er seinen Landsleuten sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl seinen größten sicherheitspolitischen Erfolg in Erinnerung. Der Präsident kündigte in seiner Rede auch ein baldiges Ende des an. "Wir sind durch ein Jahrzehnt unter der dunklen Wolke des Krieges gereist", sagte er mit Blick auf die Konflikte im Irak und in Afghanistan nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. "Diese Zeit des Krieges begann in Afghanistan, und hier wird sie auch enden."

Der unter NATO-Führung stehende Militäreinsatz in Afghanistan soll bis Ende 2014 auslaufen. Dann sollen alle internationalen Kampftruppen das Land verlassen haben und die Afghanen eigenverantwortlich für Sicherheit sorgen. Derzeit sind nach Angaben des Pentagon noch rund 87.000 US-Soldaten sowie 44.000 weitere ausländische Soldaten am Hindukusch im Einsatz. Die Einzelheiten für die Übergabe der Sicherheitsverantwortung sollen auf dem Nato-Gipfel am 20. und 21. Mai in Chicago festgelegt werden.

Vertrag mit Karsai abgeschlossen

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Das Abkommen soll die Zusammenarbeit bis zum Ende des Nato-Einsatzes 2014 regeln.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Obama und Afghanistans Präsident Hamid Karsai unterzeichneten zudem ein Partnerschaftsabkommen, das den Einsatz von US-Soldaten am Hindukusch nach dem Abzug der ausländischen Kampftruppen Ende 2014 regelt. Der Vertrag zementiert die Partnerschaft zwischen Washington und Kabul für das Jahrzehnt nach dem offiziellen Ende des Einsatzes Ende 2014. Nach Angaben des Weißen Hauses sieht das Abkommen die Möglichkeit vor, dass US-Truppen weiter afghanische Sicherheitskräfte ausbilden und Al-Kaida-Kämpfer bekämpfen. Afghanistan soll demnach den von USA gewährten Sonderstatus eines "wichtigen Nicht-Nato-Verbündeten" erhalten.

"Weder Amerikaner noch das afghanische Volk haben sich diesen Krieg gewünscht, aber für ein Jahrzehnt haben wir zusammengestanden", sagte Obama bei der Unterzeichnung im Präsidentenpalast in Kabul. "Wir freuen uns auf eine Zukunft im Frieden. Heute vereinbaren wir, langfristige Partner zu sein." In einer Ansprache vor Soldaten in Bagram mahnte Obama später, es stünden noch "Schmerzen und Schwierigkeiten" bevor. Dank der von den US-Truppen erbrachten "Opfer" gebe es aber "ein Licht am Ende des Tunnels".

Die USA und Afghanistan hatten sich erst vor gut einer Woche auf den Vertrag geeignet - nach rund 20 Monaten harter Verhandlungen. Obama sprach von einer "historischen Vereinbarung", die "eine neue Art der Beziehung" zwischen beiden Ländern definiere. Die Unterzeichnung auf afghanischen Boden sollte die Souveränität des Staates symbolisieren. Das Abkommen erfüllt die Forderung der Afghanen, die Leitung dortiger amerikanischen Militärgefängnisse übernehmen zu können. Zudem sollen die umstrittenen nächtlichen Kommandoaktionen gegen Aufständische künftig ausschließlich von afghanischen Soldaten geführt werden.

Gespräche mit Taliban geplant

Zur US-Strategie für das Land gehörten weiter Friedensgespräche mit den Taliban, sagte Obama. "Sie können ein Teil dieser Zukunft sein, wenn sie mit Al-Kaida brechen, der Gewalt abschwören und die afghanischen Gesetze befolgen." Ferner seien sich die internationalen Partner einig, für Frieden und Stabilität in Südasien einzutreten.

Die Höhe einer finanziellen Unterstützung an Afghanistan bleibt noch offen. Die Kosten der afghanischen Sicherheitskräfte mit einer geplanten Stärke von 228 000 Mann werden auf jährlich 4,1 Milliarden US-Dollar geschätzt. Der US-Anteil muss vom Kongress in Washington genehmigt werden.

Anschläge in Kabul

Nach der Abreise Obamas griff ein Taliban-Kommando einen Gebäudekomplex in Kabul an, in dem westliche Ausländer unterkommen. Mindestens elf Menschen kamen ums Leben darunter vier Angreifer.

Der Anschlag war nach Angaben der Taliban gegen Obamas Besuch gerichtet. Es habe sich "nicht um Rache für die Tötung Osama bin Ladens" durch amerikanische Spezialkräfte in Pakistan vor genau einem Jahr gehandelt, sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid. Die Tat solle "übermitteln, dass US-Präsident Barack Obama nicht willkommen" in Afghanistan sei. "Afghanen mögen keine Invasoren, und sie müssen dieses Land verlassen", sagte Mudschahid.

Quelle: n-tv.de, ghö/dpa/AFP

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