Politik

"Beschämende" Rolle im Holocaust Orban erkennt Komplizenschaft Ungarns an

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Orban auf dem jüdischen Friedhof in Budapest.

(Foto: AP)

Es ist das erste Mal, dass der ungarische Regierungschef die Komplizenschaft seines Landes bei der Deportation der Juden durch die Nazis anerkennt. Rund 600.000 ungarische Juden waren während des Holocausts getötet worden - mit Hilfe der ungarischen Polizei.

Der ungarische Regierungschef Viktor Orban hat erstmals die Komplizenschaft seines Landes beim Holocaust anerkannt. "Wir waren ohne Liebe und unentschlossen, als wir hätten helfen sollen", sagte Orban in Budapest. "Und sehr viele Ungarn haben sich zum schlechten Handeln entschlossen statt zum guten, zu beschämenden Aktionen statt zu ehrenwerten." Der Holocaust sei eine "nationale Tragödie für Ungarn" gewesen, sagte Orban weiter.

Der Regierungschef äußerte sich bei einer Gedenkfeier auf einem jüdischen Friedhof anlässlich der Befreiung des einstigen NS-Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz vor 70 Jahren.

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Orban (l.) sprach von einer nationalen Tragödie.

(Foto: AP)

Es war das erste Mal, dass er die Komplizenschaft Ungarns bei der Deportation der Juden durch die Nazis anerkannte. Orban wird von einem Teil seiner Landsleute immer wieder vorgeworfen, dass er die Komplizenschaft des ungarischen Staates verharmlose. Rund 600.000 ungarische Juden wurden während des Holocausts getötet. Die meisten von ihnen wurden von den Nazis mit Hilfe der ungarischen Polizei nach Auschwitz deportiert. Weitere bis zu 50.000 starben durch die Gewalt ungarischer Faschisten, der Pfeilkreuzler.

Budapest blüht wieder auf

Am Donauufer in Budapest erinnert ein eindrucksvolles Denkmal an diese Morde: 60 Paar Schuhe aus Metall mahnen hier an die Erschießungen von aneinander gefesselten Menschen. Immer nur jeder zweite wurde niedergeschossen; die übrigen ertranken, von den Toten und Sterbenden hinuntergezogen.

Als Budapest am 13. Februar 1945 befreit wurde, lebten insgesamt noch rund 100.000 Juden in der Stadt, von ehemals mehr als 250.000. Etwa 50.000 sowjetische Soldaten starben bei der Befreiungsoffensive.

Heute leben in Budapest rund 110.000 Juden, es ist die bedeutendste jüdische Gemeinde in Ost-Europa. Die Große Synagoge von Budapest ist das größte jüdische Gotteshaus Europas.

Quelle: ntv.de, ppo