Politik

"Verlust eines überragenden Mannes" Otto Graf Lambsdorff ist tot

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Otto Graf Lambsdorff (1926 - 2009).

Einer der prägenden Politiker der Bundesrepublik, der FDP-Ehrenvorsitzende und frühere Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff, ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 82 Jahren in einem Bonner Krankenhaus. Der FDP-Politiker sei "von seinen vielfältigen Leiden erlöst worden", teilte sein Büro mit. Dem Vernehmen nach war es ihm in den vergangenen Monaten gesundheitlich immer schlechter gegangen.

Graf Lambsdorff, der am 20. Dezember 83 Jahre alt geworden wäre, war von 1977 bis 1984 Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit. Von 1988 bis 1993 führte er die FDP. In der deutschen Regierungsgeschichte ist sein Name eng mit der "Wende" von der sozial-liberalen Regierung Helmut Schmidts zur CDU/CSU/FDP-Koalition von Helmut Kohl verbunden. In den 80er Jahren überschattete die Flick-Parteispendenaffäre die Karriere des langjährigen Bundestagsabgeordneten. Deswegen wurde er 1987 zu einer Geldstrafe verurteilt.

"Große Persönlichkeit"

Mit dem Tod von Lambsdorff verliert die FDP nach den Worten ihres Vorsitzenden Guido Westerwelle "ihren wichtigsten Wegweiser der vergangenen Jahrzehnte" und ein Vorbild. Deutschland verliere einen prägenden Wirtschaftspolitiker, der der sozialen Marktwirtschaft den Weg gewiesen habe, erklärte der Außenminister. Er hob "programmatische Klarheit" und "kantige Unerschütterlichkeit" als Lambsdorffs Eigenschaften hervor. "Sein marktwirtschaftliches Engagement und sein Engagement für die Menschenrechte weltweit haben über ein halbes Jahrhundert hinweg der FDP wesentlich zu ihrem Profil verholfen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte Lambsdorff als menschlich wie politisch gleichermaßen herausragenden Liberalen. "Er hat die Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik Deutschland lange Jahre hindurch ordnungspolitisch geprägt und reiht sich ein in die Reihe der großen Persönlichkeiten unserer sozialen Marktwirtschaft", erklärte die CDU-Vorsitzende. Auch jenseits der Tagespolitik habe Lambsdorff in sensiblen Fragen wie der deutschen Entschädigung der Zwangsarbeiter des Zweiten Weltkrieges bleibende Maßstäbe gesetzt.

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60 Jahre FDP: Lambsdorff mit FDP-Chef Westerwelle im Dezember 2008.

(Foto: dpa)

Der frühere FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt charakterisierte den Tod Lambsdorffs als "großen Verlust eines überragenden Mannes". Er fügte in einer Stellungnahme hinzu: "In der politischen Geschichte der Bundesrepublik ist seine Handschrift zu erkennen." Lambsdorff war Vorgänger Gerhardts als Vorsitzender der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung.

Für Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) war der Verstorbene ein "guter Kamerad" und "Patriot im besten Sinne  des Wortes".

Entschädigung für Zwangsarbeiter

Lambsdorff Stimme hatte in der deutschen Politik bis zuletzt politisches Gewicht. Der "Marktgraf" galt als unbedingter Verfechter der freien Marktwirtschaft und als scharfer Analytiker mit markiger Rhetorik. Das "Lambsdorff-Papier" läutete 1982 den Koalitionswechsel der FDP von der SPD zur Union ein. Die Flick-Parteispendenaffäre schadete ihm in seiner Partei nicht - danach war er für über fünf Jahre FDP-Bundesvorsitzender.

SPD-Kanzler Gerhard Schröder beauftragte ihn 1999 damit, die Verhandlungen über die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern zu führen. Das Verhandlungsgeschick Lambsdorffs in den diffizilen Gesprächen mit Anwälten und Verbänden der Opfer fand hohe Anerkennung. Die internationalen Verbindungen, die Lambsdorff auch als Vorsitzender der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung hatte, halfen dabei. Als Lambsdorff dieses Amt im April 2006 an Ex- Fraktionschef Gerhardt abgab, hielt der frühere US-Außenminister Henry Kissinger im Reichstagsgebäude die Laudatio auf seinen Freund.

Um die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter habe sich Lambsdorff "bleibende Verdienste" erworben, erklärte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel.  "Jenseits aller Differenzen in anderen Fragen wird ihm die deutsche Sozialdemokratie diesen persönlichen Einsatz nie vergessen."

Auch die Grünen hoben das Engagement des FDP-Politikers für die Entschädigungen hervor. Die Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin erklärten, zwar seien sie politisch mit Lambsdorff selten einer Meinung gewesen, "als Partner im demokratischen Wettstreit werden wir ihn dennoch vermissen".

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

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