Politik
Eine Partei ist ein fragiles Gebilde. Es benötigt starke Stützen und einen kräftigen Unterbau.
Eine Partei ist ein fragiles Gebilde. Es benötigt starke Stützen und einen kräftigen Unterbau.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 06. Juni 2012

"Es muss etwas passieren": Piraten droht der Burnout

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Für die Piratenpartei ist es eine Philosophie, sich als Opposition zum etablierten System zu sehen. Viele in der Partei arbeiten nur ehrenamtlich, selbst der Bundesvorsitzende. Das geht den Piraten an die Substanz, immer mehr von ihnen verlassen die Kommandobrücke. Entweder, sie brechen mit ihrem eigenen Dogma, oder der Partei droht der Kollaps.

Der langjährige Piratenpartei-Funktionär René Brosig hat vor einem Zusammenbruch der Partei gewarnt und eine rasche Professionalisierung gefordert. "Es muss im großen Stil etwas passieren", sagte Brosig der "Berliner Zeitung". Sonst drohe der Piratenpartei der Kollaps. Die Partei mit ihren inzwischen 30.000 Mitgliedern lasse sich nicht mehr allein ehrenamtlich führen, sagte Brosig, der beim Parteitag Ende April nicht noch einmal angetreten war. Er hatte Überlastung als Grund genannt. Gegenwärtig könne man ein System der Ausbeutung der aktiven Mitglieder beobachten, kritisierte er.

In der Piratenpartei arbeitet selbst der Bundesvorsitzende Bernd Schlömer nur ehrenamtlich. Die Piraten könnten es sich aber nicht mehr lange leisten, auf jedwede hauptamtlichen Strukturen zu verzichten, sagte Brosig, der lange Schatzmeister war. "Für uns ist es ein Bruch mit der eigenen Philosophie, weil viele von uns sich als Opposition zum etablierten System sehen", sagte Brosig - es werde aber Zeit zu erkennen, "dass nicht alles schlecht ist an diesem System und dass es gewisse Notwendigkeiten gibt, denen wir folgen müssen, sonst gehen wir unter".

Erst Anfang Juni war der Bundespressesprecher der Piratenpartei, Christopher Lang, von seinem Amt zurückgetreten. Lang begründete seinen Schritt mit einer Überlastung durch die bislang ehrenamtlich wahrgenommene Aufgabe. Nach dem Rücktritt von Lang legte auch sein Stellvertreter Aleks Lessmann sein Amt nieder. Damit bleibt aus dem dreiköpfigen Presseteam der Piratenpartei nur noch Anita Möllering übrig, die im April ihre Arbeit als Bundespressesprecherin aufgenommen hatte. Wie Brosig hatte auch Lang eine Professionalisierung seiner Partei gefordert.

Quelle: n-tv.de