Politik

NATO hilft Polen im Irak Planung ja, Soldaten nein

Die NATO will Polen bei der militärischen Sicherung seines Sektors im Irak helfen. Die Botschafter der 19 Mitgliedstaaten beauftragten die Militärs der Allianz am Mittwoch in Brüssel damit, die Möglichkeiten der Unterstützung zu prüfen. "Den ersten wichtigen und in der Tat kritischen Schritt haben wir heute einstimmig unternommen", sagte NATO-Generalsekretär George Robertson.

Voraussichtlich wird die NATO den Polen bei der Planung des Truppenkontingentes helfen sowie Unterstützung geben bei Aufklärung, Kommunikation und Logistik. Soldaten kann die Allianz den polnischen Militärs selbst nicht zur Verfügung stellen, weil die NATO über keine Truppen verfügt.

Die Entsendung von Soldaten ist Sache der Mitgliedstaaten. Bislang hat Polen 2.000 Soldaten zur Sicherung seines Sektors im Süden Irak abgestellt. Insgesamt wird aber ein Kontingent von 10.000 Mann benötigt. Um weitere Truppen von anderen Staaten zu bekommen, hat die Regierung für diesen Donnerstag und Freitag eine Konferenz in Warschau einberufen. In NATO-Kreisen hieß es, bislang habe kein Mitgliedstaat der Allianz die Bereitschaft erkennen lassen, Soldaten in den polnischen Sektor zu schicken.

Italien, Spanien, Dänemark, und die Niederlande haben zwar genau wie die Ukraine und Bulgarien zugesagt, Soldaten zur Friedenssicherung nach Irak schicken zu wollen. Zumindest die vier NATO-Mitglieder wollten ihre Truppen aber im britischen Sektor stationiert wissen. Deutschland will sich nicht mit eigenen Soldaten beteiligen. Robertson betonte: "Wir reden hier nicht über eine NATO-Präsenz in Irak, wir reden nur darüber, dass die NATO Polen hilft."

Der Fall weist allerdings Parallelen auf zum Friedenseinsatz in Afghanistan. Dort hat die NATO dem gegenwärtigen deutsch-niederländischen Kommando der ISAF-Mission anfangs ebenfalls Hilfestellung geleistet. Mittlerweile hat die Allianz beschlossen, im August das Kommando über den Afghanistan-Einsatz zu übernehmen.

Der Irak-Konflikt hatte auch die NATO vor eine Bewährungsprobe gestellt. So hatten die entschiedenen Kriegsgegner Deutschland, Frankreich und Belgien wochenlang einen Beschluss der Allianz blockiert, um der Türkei im Kriegsfall Schutz gegen einen möglichen irakischen Gegenangriff zu gewähren. Die USA hatte den drei Ländern deshalb vorgeworfen, die Allianz spalten zu wollen. Nach langem Tauziehen gaben die drei Länder ihren Widerstand schließlich auf.

Quelle: ntv.de