Politik

"Unmenschliche Erniedrigung" Politiker verbietet Beerdigung für Roma-Baby

Ein französischer Bürgermeister lehnt den Antrag einer Roma-Familie ab, ihr zwei Monate altes Baby auf dem örtlichen Friedhof zu begraben. Auch nach starken Protesten gegen die Entscheidung bleibt er hart und verteidigt sein Vorgehen.

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(Foto: picture alliance / dpa)

Ein rechtsgerichteter Bürgermeister in Frankreich hat einem zu Weihnachten verstorbenen Roma-Baby die Beerdigung in seiner Gemeinde verweigert. Der Bürgermeister von Champlan am Rand von Paris, Christian Leclerc, habe die Anfrage ohne Begründung abgelehnt, sagte der Bestatter. Zwar müsse der Bürgermeister sich nicht erklären, eine Verweigerung der Beerdigung sei aber "sehr selten". Die Entscheidung sorgte für Empörung. Aktivisten warfen Leclerc "Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Stigmatisierung" vor.

Leclerc rechtfertigte seine Entscheidung laut einem Medienbericht später damit, dass auf dem Friedhof seiner Ortschaft nur noch wenige Gräber frei seien. "Vorrang haben diejenigen, die hier ihre Steuern zahlen", wurde er von der Zeitung "Le Parisien" zitiert. Später sagte Leclerc, er habe sich der Bestattung zu keinem Zeitpunkt widersetzt. "Die ganze Sache wurde aufgebauscht", beklagte er sich. Möglicherweise handle es sich um ein Missverständnis zwischen ihm und der Verwaltung seiner Gemeinde.

Das am 14. Oktober geborene Mädchen Maria Francesca war in der Nacht zum 26. Dezember am plötzlichen Kindstod gestorben, wie der Präsident des örtlichen Vereins zur Unterstützung der Roma, Loic Gandais, mitteilte. Demnach starb das Kleinkind in einem Krankenhaus der an Champlan angrenzenden Gemeinde Corbeil-Essonnes. Die Familie stellte daraufhin in Champlan, wo sie seit mehreren Jahren mit anderen Roma in einem Camp wohnt, den Antrag, ihr Kind dort begraben zu dürfen.

Nachbarort bietet Hilfe an

Angesichts der Weigerung des Bürgermeisters bot die nahe gelegene Gemeinde Wissous der Familie schließlich an, das Baby dort zu begraben. "Einfach aus Menschlichkeit konnte die Situation so nicht bleiben", sagte der Bürgermeister von Wissous, Richard Trinquier. "Es gibt keinen Grund, einer Mutter, die neun Monate ein Kind getragen hat und es nach zweieinhalb Monaten verliert, weiteren Schmerz zu bereiten."

Familienstaatssekretärin Laurence Rossignol zeigte sich ebenfalls erschüttert. "Ein Baby zu verlieren, bedeutet unermessliches Leid", schrieb die Sozialistin im Onlinedienst Twitter. Betroffenen Eltern die Beerdigung zu verweigern, sei eine "unmenschliche Erniedrigung". In Frankreich können Menschen an ihrem Wohnort, an ihrem Sterbeort oder in einer Gemeinde begraben werden, wo die Familie eine Begräbnisstätte hat. In jedem Fall müssen die Angehörigen beim jeweiligen Bürgermeister um Erlaubnis bitten.

Im vergangenen Jahr wuchs die Anzahl rassistischer Angriffe auf Roma zunehmend an. Amnesty International prangerte im April 2014 in einem Bericht an, dass die systematische Diskriminierung von Roma vielerorts in Europa "stillschweigend" hingenommen werde. Gerade in Frankreich hatte es immer wieder Übergriffe auf Roma gegeben. In einem Pariser Vorort war im Mai ein Jugendlicher von einem Lynchmob verschleppt und in einem Keller brutal misshandelt worden.

Quelle: ntv.de, lou/AFP

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