Politik
Dienstag, 06. Oktober 2009

Mordfall Politkowskaja: Polizei hat neue Verdächtige

Drei Jahre nach dem Mord an der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja ermitteln die russischen Behörden offenbar gegen neue Verdächtige. Ins Blickfeld der Justiz seien Männer geraten, die bisher nicht öffentlich genannt worden seien, sagte der Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung "Nowaja Gaseta", Sergej Sokolow, nach Angaben der Agentur Interfax.

Die Russin Anna Politkowskaja war eine der wenigen Journalistinnen, die regelmäßig das Land bereiste und über die Misstände im Land schrieb: Über die Folter, über nächtliche Festnahmen, Vergewaltigungen, über das Verschwindenlassen von Lebenden und Toten.
Die Russin Anna Politkowskaja war eine der wenigen Journalistinnen, die regelmäßig das Land bereiste und über die Misstände im Land schrieb: Über die Folter, über nächtliche Festnahmen, Vergewaltigungen, über das Verschwindenlassen von Lebenden und Toten.

Politkowskaja, die für die Zeitung auch über Kriegsverbrechen aus der russischen Teilrepublik Tschetschenien berichtet hatte, war am 7. Oktober 2006 vor ihrer Moskauer Wohnung erschossen worden. Täter und Drahtzieher sind auf der Flucht.

Verdächtiger in EU?

Nach Darstellung von Sokolow hält sich der mutmaßliche Mörder in einem Land der Europäischen Union versteckt. Er reise dort frei herum, sagte der Journalist, ohne den Namen oder eine Quelle zu nennen. Die russischen Behörden hatten in der Vergangenheit den Tschetschenen Rustam Machmudow als Täter genannt.

Angeklagt waren bisher nur zwei Brüder Machmudows sowie zwei weitere mutmaßliche Komplizen. Das Oberste Gericht Russlands hatte frühere Freisprüche für diese vier Beschuldigten aufgehoben und dann auf Forderungen der Familie Politkowskajas auch die neuen Ermittlungen angesetzt.

Gruppen fordern Aufklärung

Zum Jahrestag des Mordes an diesem Mittwoch zeigten sich Russlands Menschenrechtler skeptisch, dass das politische Verbrechen jemals aufgeklärt werde. "Wichtig ist vor allem der Druck der Gesellschaft, damit die Ermittlungen niemals eingestellt werden", sagte der Moskauer Aktivist Lew Ponomarjow.

In einer in Berlin veröffentlichten Erklärung forderten 17 russische und deutsche Nichtregierungsorganisationen die Aufklärung der vielen Morde an Menschenrechtsaktivisten in Russland. Ein prominentes Opfer war im vergangenen Juli Politkowskajas Freundin Natalia Estemirowa, die nach ihrer Entführung in Tschetschenien erschossen wurde.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen