Politik

"Natürlich gibt es Reibereien" Polizeiakademie geht in die Offensive

Die Berliner Polizeiakademie wehrt sich gegen Vorwürfe fauler und frecher Schüler und Unterwanderung durch kriminelle Clans. Der Sprecher spricht von "nicht tragfähigen" Behauptungen - und warnt vor Diskriminierung von Polizeischülern mit Migrationshintergrund.

Die Berliner Polizei weist viele der in den vergangenen Tagen erhobenen Vorwürfe gegen die Berliner Polizeiakademie als haltlos zurück. Es sei traurig, dass über unreflektierte Behauptungen vor allem Polizeischüler mit Migrationshintergrund diskriminiert worden wären, sagte Behördensprecher Thomas Neuendorf. Reportern war kurzfristig Zugang zu der Einrichtung gewährt worden.

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Einsatz am Alexanderplatz.

(Foto: dpa)

Gleichzeitig räumte Neuendorf ein, dass es auch Probleme an der Ausbildungsstätte gebe. "Das will ja auch keiner verheimlichen. Natürlich gibt es immer mal wieder Reibereien zwischen den Schülern - unabhängig, ob sie einen Migrationshintergrund haben oder nicht." Gelegentlich gebe es Disziplinprobleme. "Das sind junge Leute, die frisch von der Schule gekommen sind und die eben manchmal in ihrem Benehmen sich nicht optimal verhalten. Dafür ist aber auch die Schule da, um sie weiterzubilden, damit wir nach den zweieinhalb Jahren der Ausbildung mit ruhigem Gewissen diese jungen Kollegen mit in den Einsatz geben können."

Im aktuellen Jahrgang, der die Ausbildung zum 1. September dieses Jahres begonnen hat, seien 1200 neu eingestellte Polizeischüler. Das Niveau der Einstellungsbedingungen habe sich entgegen anderslautender Berichte nicht verschlechtert, sei seit 2010 gleich geblieben. Entsprechend der höheren Zahl der Auszubildenden gebe es eben auch mehr Fälle von Verfehlungen.

Kleine Straftaten nicht zwingend K.o.-Kriterium

Den Vorwurf, die Polizeiakademie werde von arabischen Clans unterwandert, bezeichnete Neuendorf als "absolut nicht tragfähig". "Wir müssen sehr groß aufpassen, dass wir hier nicht diskriminierend vorgehen. Nur weil jemand den Nachnamen einer bekannten Großfamilie hat, heißt das ja noch nicht, dass diese Person kriminell veranlagt ist. Wir haben keine Vorurteile." Jeder Bewerber werde nach seinen persönlichen Eignungen beurteilt. Es gebe keine Erkenntnisse zu einer "Unterwanderung". Eine dahingehende mögliche Taktik der mafiösen Clans bezeichnete er als "weit hergeholt".

Straffällig gewordene oder werdende Polizeischüler erhielten eine Kündigung. Der Sprecher schränkte ein: "Es ist so, wenn ein Jugendlicher viele Jahre voran eine kleine Straftat begangen hat, dann ist im Einzelnen zu prüfen, ob diese Jugendsünde noch ein Hinderungsgrund ist, ihn hier an dieser Schule anfangen zu lassen." Ihm seien ein Fall von Sachbeschädigung und ein Diebstahlsdelikt bekannt, die nicht zu einer Ablehnung geführt hätten. Schwere Straftaten seien aber nicht zu tolerieren.

Quelle: ntv.de, nsc

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