Armenier wählen ihr ParlamentPräsidentenpartei ist Favorit
Bei der Parlamentswahl in der Kaukasusrepublik Armenien gewinnt die Partei des russlandfreundlichen Präsidenten Sargsjan laut Prognosen die meisten Sitze. Seine Republikanische Partei erhält etwa 45 Prozent der Stimmen. Auch am Wahltag liegen weiter Dutzende Menschen im Krankenhaus, die am Freitag Opfer einer Gasexplosion am Rande einer Wahlveranstaltung wurden.
In einem Testfall für die Glaubwürdigkeit der Demokratiebestrebungen hat Armenien ein neues Parlament gewählt. Der Urnengang wurde von Kritikern aufmerksam beobachtet, nachdem die umstrittene Präsidentenwahl 2008 von blutigen Auseinandersetzungen mit zehn Toten überschattet gewesen war. Die Republikanische Partei von Präsident Sersch Sargsjan lag Umfragen zufolge in der Wählergunst vorn.
An zweiter Stelle folgte laut Umfragen die Partei Blühendes Armenien des schillernden Millionärs Gagik Zarukjan, eines früheren Meisters im Armdrücken und Koalitionspartners der Präsidentenpartei. Im Fokus des Wahlkampfs standen Themen wie Arbeitslosigkeit, Armut und Auswanderung, während die langjährigen Konflikte mit den Nachbarn Türkei und Aserbaidschan kaum eine Rolle spielten.
Bei der Stimmabgabe betonte Präsident Sargsjan, er wünsche sich einen "ruhigen, friedlichen und gesetzeskonformen" Ablauf des Urnengangs. Bis zum Mittag gaben gut ein Drittel der Wähler ihre Stimme ab.
Unruhige Lage
Der Wahlkampf war von einem uft überschattet: Am Freitag waren bei einer Wahlkampfveranstaltung der Republikanischen Partei in der Hauptstadt Eriwan rund 150 Menschen durch explodierende Gasballons verletzt worden.
2008 waren bei heftigen Protesten gegen den Ausgang der Präsidentenwahl zehn Demonstranten getötet worden. Seitdem hatte der Oppositionsblock um Ex-Präsident Levon Ter-Petrossjan regelmäßig für vorgezogene Neuwahlen demonstriert. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) entsandte für den Urnengang am Sonntag rund 350 Wahlbeobachter und wollte am Montag in einer Pressekonferenz ihre Einschätzung zum Wahlverlauf erläutern. Während des Wahlkampfs wurden nach Angaben der OSZE keine größeren Unregelmäßigkeiten verzeichnet.