Politik

Geschenken und Drohungen zum Trotz Proteste in Saudi-Arabien

Die regierungskritischen Proteste im Golf-Staat Bahrain versetzen zunehmend auch benachbarte Länder in Unruhe. Der saudiarabische König Abdullah stockt den Sicherheitsapparat auf und kündigt ein milliardenschweres Paket sozialer Maßnahmen an.

RTR2K269.jpg

Während König Abdullah in Saudi-Arabien von vielen verehrt wird ...

(Foto: REUTERS)

Unbeirrt von starker Polizeipräsenz haben sich Dutzende Saudiaraber zu Protesten vor dem Innenministerium in der Hauptstadt Riad versammelt. Sie forderten die Freilassung inhaftierter Verwandter.

"Wir haben mindestens drei oder vier Polizeifahrzeuge gesehen, die Menschen abtransportiert haben", sagte ein Demonstrant. Demnach hätten Sicherheitskräfte etwa 15 Protestierende festgenommen, die ins Ministerium gelangen wollten. Proteste sind in Saudi-Arabien generell verboten.

Zuvor hatte der saudiarabische König Abdullah seinem Volk erneut milliardenschwere Geldgeschenke versprochen und gleichzeitig angekündigt, den Sicherheitsapparat aufzustocken. Damit will der weltgrößte Ölexporteur ein Überschwappen der Protestwelle aus den Nachbarländern verhindern. Während eines kurzen Fernsehauftrittes sagte das 86-jährige Staatsoberhaupt, die Sicherheitskräfte des Landes seien "die Hände, die bereit sind, diejenigen zu schlagen, die sich gegen die Sicherheit und Stabilität des Landes verschwören".

Schiiten protestieren

Abdallahs Dekrete sehen vor, dass das Innenministerium 60.000 zusätzliche Beamte einstellt. Zur Unterstützung von sozial Schwachen sollen für umgerechnet 47 Mrd. Euro eine halbe Million Wohnungen gebaut und eine monatliche Arbeitslosenunterstützung eingeführt werden. Außerdem sollen der Gesundheitssektor sowie Soldaten und Polizisten stärker gefördert werden

RTR2K3KF.jpg

... sorgt er bei Demonstranten in Bahrain für Wut.

(Foto: REUTERS)

Das streng sunnitische Saudi-Arabien fürchtet vor allem das sich das Aufbegehren der Schiiten im Bahrain auf seine schiitische Minderheit überträgt, die insbesondere in den Ölfördergebieten lebt. Das Königreich hatte rund 1000 Soldaten nach Bahrain entsendet, um die dortige Regierung bei der Bekämpfung der Protestbewegung zu unterstützen.

Ende der Woche hatten sich in Saudi-Arabien tausende Demonstranten zu Solidaritätskundgebungen für die Schiiten in Bahrain versammelt. Auch in Bagdad und in anderen irakischen Städten protestierten tausende Menschen gegen den Einsatz von Truppen aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten gegen die Opposition in Bahrain.

Für Empörung sorgte das Vorgehen gegen die Opposition in Bahrain auch bei Schiiten im Irak. Tausende Anhänger des radikalen Schiitenpredigers Moktada Sadr gingen in dutzenden Städten des Landes auf die Straße. "Mit unserer Seele, mit unserem Blut sind wir bereit, uns für dich zu opfern, Bahrain", skandierte eine Menge von mehr als 6000 Menschen in der Schiitenhochburg Sadr City in Bagdad.

Quelle: n-tv.de, rts/AFP

Mehr zum Thema