Politik

Beschneidungen in Deutschland Rabbiner wollen Sicherheit

35wf2921.jpg8703237807099839071.jpg

(Foto: dpa)

Das Urteil des Landgerichts Köln zur Beschneidung von Jungen schlägt weiter hohe Wellen. Die Rabbiner in Deutschland fordern: Beschneidungen müssen vollkommen legal sein. Doch eine gesetzliche Regelung ist schwierig. Unterdessen gibt es Details zum auslösenden Fall.

Religiös motivierte Beschneidungen müssen nach Ansicht des Vorsitzenden der Allgemeinen Rabbinerkonferenz in Deutschland, Henry Brandt, gesetzlich abgesichert werden. "Verantwortungsbewusste Beschneidungen müssen weitergehen dürfen - vollkommen legal und gesetzlich abgesichert", so Brandt in der "Bild am Sonntag". "Es reicht nicht, Beschneidung lediglich straffrei zu stellen. Nur so kann Religionsfreiheit in Deutschland glaubwürdig Bestand haben."

Brandt reagierte damit auf das Urteil des Landgerichts Köln, das die Beschneidung in einem Urteil von Ende Juni als strafbare Körperverletzung gewertet hatte. Der Rabbiner schrieb dazu, er wolle den Richtern keinerlei niedere Motive unterstellen. "Es gibt eben auch schlechte und falsche Urteile. Recht ist beileibe nicht immer auch Gerechtigkeit."

35wc1943.jpg3499914023041088278.jpg

Ein Junge wird in Istanbul während einer Zeremonie beschnitten.

(Foto: dpa)

In der CSU gibt es Bedenken gegen eine gesetzliche Erlaubnis der rituellen Beschneidung von Jungen. Thomas Silberhorn, Obmann der CSU im Rechtsausschuss des Bundestages, sagte, dass jede Ohrfeige den Tatbestand der Körperverletzung erfülle - "also auch die männliche Beschneidung". Der Rechtspolitiker fügte hinzu: "Eine Rechtfertigung mit dem elterlichen Sorgerecht oder mit der Religionsfreiheit würde gravierende Abgrenzungsschwierigkeiten aufwerfen und kann deshalb nicht vollends überzeugen." Silberhorn plädierte stattdessen für eine Straffreistellung. "Ein Beispiel dafür bietet die Regelung der Abtreibung: Sie bleibt rechtswidrig, wird aber unter bestimmten Voraussetzungen nicht bestraft."

Der Vorsitzende des Rechtsausschusses im Bundestag, Siegfried Kauder (CDU), sagte der Zeitung, es gebe in der Gesetzgebung eine Lücke. "Diese Lücke muss allerdings nicht ein Gericht schließen, sondern der Gesetzgeber, nach gründlicher Erwägung."

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) lässt dem Bericht zufolge prüfen, wie die Beschneidung von Jungen rechtssicher möglich gemacht werden kann. Das Urteil stelle nach Auffassung des Ministeriums einen Bruch mit der überwiegenden Rechtsauffassung dar. Die Formulierung eines Gesetzes sei mit erheblichen rechtstechnischen Schwierigkeiten verbunden. Insbesondere solle ausgeschlossen werden, dass auch Mädchen aus religiösen oder kulturellen Gründen beschnitten werden können.

Das umstrittene Urteil stößt in der Linkspartei auf Zustimmung. Der religionspolitische Sprecher Raju Sharma sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", eine Beschneidung sei ein "schwerer Eingriff" in die körperliche Unversehrtheit eines Kindes. Diese habe der Staat zu schützen. Dagegen müssten die auf religiösen Traditionen begründeten Wünsche der Eltern zurückstehen. Insofern sei das Kölner Urteil "im Kern eine zutreffende Güterabwägung".

Details sind dramatisch

Unterdessen kommt heraus: Der Fall des beschnittenen vierjährigen Jungen, der die breite Debatte über die Rechtslage für religiös begründete Beschneidungen ausgelöst hat, war medizinisch brisanter als bisher bekannt. Der Junge sei zwei Tage nach seiner Beschneidung mit Nachblutungen in eine Kindernotaufnahme eingeliefert worden, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", die sich auf einen Arztbrief über die dann erfolgte Behandlung beruft. Daraus gehe hervor, dass eine "urologisch-chirurgische Revision" der Beschneidung "in Vollnarkose" erfolgte.

Nach dem neuerlichen chirurgischen Eingriff sei der Junge für mehrere Tage auf eine Kinderstation gekommen. Drei Verbandswechsel hätten "in Narkose" stattgefunden. In dem Arztbrief stehe weiter, dass die freiliegende Penisoberfläche und die Eichel "uneben, zerfressen und fibrinös belegt" gewesen seien. Der Junge sei zehn Tage in klinischer Behandlung gewesen.

Die medizinischen Details seien dem Kölner Landgericht bekannt gewesen, bislang aber nicht der Öffentlichkeit, heißt es in der FAS. Ein Gutachter, der vom Landgericht Köln beauftragt worden war, habe dem Arzt, der die Beschneidung vornahm, bescheinigt, dass der Eingriff "nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt" worden sei. Die Nachblutungen, so der Gutachter, seien mögliche Komplikationen nach Beschneidungen.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa