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1,7 Millionen Dollar für Gaddafi Rebellen setzen Kopfgeld aus

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Die berühmte Faust, die ein US-amerikanisches Flugzeug zerquetscht, befindet sich in der Gewalt der Rebellen - so wie weite Teile der Hauptstadt.

(Foto: AP)

Die libyischen Rebellen kämpfen noch immer gegen die letzten Getreuen Gaddafis. Um den untergetauchten Diktator endlich zu fassen, stellt der Übergangsrat ein millionenschweres Kopfgeld in Aussicht. Noch viel mehr Geld brauchen die Aufständischen für den Wiederaufbau. Die Verhandlungen mit der internationalen Gemeinschaft laufen auf Hochtouren.

Die Schlacht um Tripolis haben die libyischen Rebellen noch immer nicht vollständig gewonnen. In zwei Stadtvierteln halten die Truppen des Machthabers Muammar al-Gaddafi die Stellung. Scharfschützen lauern fast im gesamten Stadtgebiet. Doch es gibt ein viel größeres Problem: Gaddafi ist schlicht nicht aufzufinden. Nach Informationen des Nachrichtensenders Al-Dschasira hat die Übergangsregierung deswegen ein Kopfgeld von 1,7 Millionen Dollar auf die Ergreifung des Despoten ausgesetzt - ob tot oder lebendig. Der Vorsitzende Mustafa Abdul Dschalil bekräftigte allerdings, er wolle, dass Gaddafi und seine Familie vor Gericht gestellt würden.

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Tot oder lebendig - ein Graffiti zeigt Gaddafi und seinen Sohn Saif al-Islam.

(Foto: AP)

Die in einem Hotel in Tripolis von Gaddafi-Anhängern eingeschlossenen Journalisten sind wieder frei. Wie die Medienvertreter in der libyschen Hauptstadt bekanntgaben, konnten sie das Gebäude verlassen. Mit Kalaschnikows bewaffnete Anhänger Gaddafis hatten die mehr als 30 Journalisten im Hotel Rixos in der Nähe der in der Nacht von den Rebellen gestürmten Gaddafi-Residenz festgehalten. Mit ihnen saßen auch einige Diplomaten fest. Aus Furcht vor Kämpfen zwischen Rebellen und Kämpfern Gaddafis hängten Medienvertreter zwischenzeitlich Banner mit den Worten "TV" oder "Presse, nicht schießen" auf.

Wegen der anhaltenden Gefechte konnte der Übergangsrat bislang noch nicht wie geplant von Bengasi nach Tripolis umziehen. Auch im Inneren von Gaddafis Hauptquartier wurde laut BBC noch gekämpft. Der innere Zirkel werde weiter von dessen Soldaten kontrolliert. Nahe des internationalen Flughafens in Tripolis und im südwestlichen Vorort Al-Hadaba al-Chadra gab es weitere Gefechte. Laut Al-Dschasira griffen Regierungstruppen in der Nacht auch die Rebellen-Hochburg Misrata mit Scud-Raketen an.

Die Aufständischen rückten derweil weiter auf Gaddafis Heimatstadt Sirte vor. Um blutige Kämpfe zu vermeiden, liefen Verhandlungen zur friedlichen Übergabe, verlautete aus der Küstenstadt. Allein beim Kampf um Tripolis seien bisher 435 Menschen getötet und mehr als 2000 verletzt worden, sagte ein Mitarbeiter des Zentralkrankenhauses. Laut Hilfsorganisationen gibt es inzwischen große Engpässe bei der medizinischen Versorgung und dem Nachschub an Lebensmitteln.

Wahlen schon in acht Monaten

Der Nationale Übergangsrat der libyschen Rebellen bereitet schon die Zeit nach Gaddafi vor. In acht Monaten sollen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in acht Monaten stattfinden. Der italienischen Zeitung "La Repubblica" sagte Mustafa Abdel Dschalil, man wünsche sich sei eine "demokratische Regierung" und eine "gerechte Verfassung". Der ehemalige Justizminister von Machthaber Muammar al-Gaddafi fügte hinzu: "Vor allem wollen wir nicht mehr vom Rest der Welt isoliert sein." Das "neue Libyen" müsse sich von der Vergangenheit unterscheiden und auf den "Prinzipien von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" aufgebaut sein.

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Sie halten noch zu Gaddafi: Zwei Russinnen zeigen in Moskau Solidarität mit dem Diktator.

(Foto: REUTERS)

Vertreter des nationalen Übergangsrates führten Gespräche mit Vertretern der Europäischen Union, der USA und anderen Staaten über die Zukunft Libyens. Laut BBC baten sie zugleich um die Freigabe von 2,5 Milliarden Dollar eingefrorener Gelder des Gaddafi-Regimes. Der britische Außenminister William Hague kündigte an, mit internationalen Partnern zu prüfen, wie das Vermögen am besten zum Wohle des libyschen Volkes eingesetzt werden könne. Die US-Regierung sicherte zu, noch in dieser Woche eine Milliarde Dollar freizugeben.

Über den Wiederaufbau des ölreichen Landes zeichnete sich unterdessen ein diplomatisches Ringen ab: Der chinesische Außenminister Yang Jiechi sagte in einem Telefonat mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, dass die Vereinten Nationen den Wiederaufbau Libyens anführen und koordinieren sollten. Damit solle vermieden werden, dass allein westliche Staaten vom Wiederaufbau profitierten.

Deutschland will mit anpacken

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) geht indes davon aus, dass Deutschland eine Schlüsselrolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung des neuen Libyens zustehe. "Das Land braucht jetzt einen Wiederaufbau, der es dauerhaft stabilisiert. Hier hat Deutschland eine besondere Kompetenz", sagte Westerwelle der "Passauer Neuen Presse". "Wir werden Libyen mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn das gewünscht wird."

Grünen-Chef Chef Cem Özdemir sieht Deutschland hingegen in der Bringschuld. "Mit demokratischer Aufbauhilfe können wir Deutschen eine kleine Form der Wiedergutmachung dafür leisten, dass wir praktisch nicht dazu beigetragen haben, dass Diktator Gaddafi vertrieben wurde. Wir sind nun in der Bringschuld".

Auch der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Philipp Mißfelder, kritisierte die deutsche Haltung während des Libyen-Konflikts. "Außenminister Westerwelle hätte im UN-Sicherheitsrat 'Ja' zum Militäreinsatz sagen müssen. Jetzt gibt es Grund zur Freude über den Erfolg der NATO und der Rebellen". Deutsche Helfer sollten beim Wiederaufbau Libyens eine aktivere Rolle spielen als beim Sturz Gaddafis, so Mißfelder.

EU-Hilfe läuft an

Die Europäische Union kann ab sofort humanitäre Hilfe für die Bevölkerung Libyens leisten. "Wir sind bereit", heißt es in Brüssel. In den vergangenen Monaten seien erhebliche Lager von Hilfsgütern in dem von Rebellen kontrollierten Osten des Landes angelegt worden. Diese könnten nun schnell an Ort und Stelle geschafft und eingesetzt werden. Die EU hatte insgesamt 80 Millionen Euro für humanitäre Hilfe in der derzeitigen Krise bereitgestellt. Gemeinsam mit anderen Hilfeleistungen sei die EU mit 150 Millionen Euro der mit Abstand größte Geldgeber Libyens.

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Quelle: n-tv.de, cba/ppo/dpa/AFP/rts

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